Die  Königl.  Bayerische  Julius-  Maximmlians-Universität  zu  Würzburg.  479

Unterricht  in  Chirurgie  am  Krankenbett  zu  erteilen  hatte,  1779  war  diese  Stelle  mit  der
Professur  für  Chirurgie  vereinigt  und  von  K.R.  v.  Siebold  zu  Anschen  gebracht  worden,
aber  erst  1803  ein  eigener  Saal  für  Operationen,  ein  Instrumentarium  und  einige  Zimmer
für  Neuoperierte  im  Vorderbau  des  Spitals  eingerichtet  worden.  Im  Jahr  1890  wurde
ein  Neubau  hergestellt  mit  einem  modernsten  Anforderungen  entsprechenden  Operationssaul
  usw.  Für  baktenologische  Arbeiten  ist  ein  besonderes  chirwgisches  Laboratorium
im  medizinischen  Kollegienhaus  eingerichtet.  Der  Jahresetat  der  chirurgischen  Klinik
beträgt  10  053  Mark  R.  und  3610  Mark  P,  (2  Assistenten,  2  Koassistenten,  1  Hausmeister).

Was  die  Frauenklinik  anlangt,  so  wurde  der  Grund  gelegt  von  G.  C.  Siebold,  der
1790  als  erster  Professor  der  Geburtshilfe  ernannt  wurde  und  ein  Eutbindungshaus
errichtete.  1805  wurde  das  Juliusspital  verpflichtet,  cine  Entbindungsanstalt  mit  Klinikum
gegen  Entschädigung  zur  Verfügung  zu  stellen.  1857  wurde  ein  Bau  aus  Kreismitteln
hergestellt,  der  aber  1891  an  die  Universität  übergiug  und  hierbei  eine  beträchtliche  Erweiterung
  erfuhr.  1901  wurde  auch  das  nebenliegende  Gebäude  der  bisherigen  Welz'schen
Marienstiftusg  dazu  gezogen.  Der  Jahresetat  beträgt  41890  Mark  R.,  hierunter  sind
7000  M.  Kreisdotation  mit  der  Verpflichtung  der  Verpflegung  von  armen  Kreisenden,
5143  M.  Zuschüsse  d:s  Stants  zur  Jlebammenschule  und  17660  M.  Verpflegungsgelder,
den  Rest  trägt  die  Universität;  aber  was  über  17660  M.  an  Verpflegungsgeldern  vercinnahmt
  wird,  fällt  der  Anstalt  zu.  Der  Personalbedarf  beträgt  10290  M.  (4  Assistenten,
1Öberhebamme,  1  Verwalter,  1  Hausmeister,  1  Diener).

Die  Augenklinik  tritt  als  Universitätsinstitut  erst  1879  auf,  indem  vorher  die  durch
Stuusnnittel  unterstützte  Privatklinik  des  Prof.  Welz,  der  als  erster  Ordinarius  an  der
Universität  die  Augenheilkunde  vertrat,  dasselbe  ersetzte.  1901  wurde  eine  großartige
neue  Augenheilanstalt  eröffnet,  deren  Jahresetat  28500  Mark  KR.  beträgt,  «larunter  sind
5000  M.  Zuschüsse  aus  der  Welz’schen  Stiftung  und  6000  M.  Einnahmen  aus  Verptlegsgeldern;
  den  Rest  trägt  auch  hier  wieder  die  Universität,  während  der  Überschuß
über  die  etatisierten  Verpflegsgelder  der  Anstalt  zugute  komnit.  Der  Personalbedarf
beträgt  6010  M.  (2  Assistenten,  2  Koassistenten,  2  Diener,  1  Heizer).

Die  psychiatrischen  Krauken  wurden  früher  im  Julinsspital  untergebracht.  Der
klinische  Unterricht  über  Geisteskrankheiten  wurde  1834  durch  Ir.  Marcus  begonnen.
Im  Jahre  1884  erscheint  zum  erstenmal  ein  Ordinariat  für  Psychiatrie.  1888  wurde
außerhalb  des  Spitals  für  die  (ieisteskranken  ein  Privatanwesen  adaptiert;  dann  schritt
man  nm  Schalksberg  zu  einem  umfangreichen  Neubau,  der  1893  eröffnet  wurde.  Der
lahresetat  beträgt  33950  Mark  R.  und  4640  Mark  P.  (2  Assistenten);  dazu  kommen
7200  M.  Zinsen,  die  das  Institut  der  Universität  vergütet;  die  Verpflegsgelder  sind  auf
38900  MM.  etatisiert.

Die  Poliklinik  besteht  seit  1807;  von  1820—  1831  war  sie  nicht  Universitätsattribut.
1832  wurde  sie  wieder  mit  der  Universität  verbunden  und  ein  eigener  Professor  hierfür
erannt.  Der  Fiat  beträgt  4829  Mark  R.  und  3900  Mark  P.  (2  Assistenten,  1  Diener).

Für  die  Otriatik,  die  seit  1864  selbständig  vertreten  ist,  wurde  1876  eine  lolıklinik
  gegründet,  die  sich  ebenfalls  im  medizinischen  Kollegienhaus  befindet.  Ihr  Etat
beträgt  2200  Mark  K.  und  318  Mark  P.  (1  Assisient).

Die  gerichtliche  Medizin  ist  seit  1803  durch  einen  Extraordinarius  an  der  Universität
vertreten.

Die  Geschichte  der  Medizin  wurde  1896  von  der  pathologischen  Anatomie  abgetrennt
  und  ein  Extraordinariat  für  Geschichte  der  Medizin,  medizinische  Geographie
und  medizinische  Statistik  geschaffen.

Das  zuhnärtliche  Institut  erscheint  1901,  ist  aber  Vrivatinstitut  und  der  Universität
nur  agzregiert.

Die  Veterinärmedizin,  durch  die  Organisationsakte  von  1803  der  medizinischen
Fakultät  einverleibt,  erhielt  sich  bis  1869  an  der  Universität.