Die  Königl.  Baverische  Friedrich-Alexanders-Universität  zu  Erlangen.  4839

(die  Schwester  Friedrichs  des  Großen:  vollzogen.  Für  die  Wahl
Frlangens  sprach,  neben  allgemeinen  Gründen,  insbesondere  die  Tatsache,
  daß  hier  eine  Anstalt  bestand,  deren  Gebäude  und  Einkünfte
man  für  die  neue  Universität  verwenden  konnte,  Es  war  dies  die
von  dem  Freiherrn  Adam  Gros  von  Trockau  109)  gegründete
Ritterakademie,  die  nach  einer  kurzen  Zeit  der  Blüte,  hauptsächlich
infolge  unzureichender  Mittel,  cin  kümmerliches  Dasein  fristete.

Der  Markgraf  hatte  sich  durch  Dekret  vom  27.  September  1743  die  Würde  des
Reetor  magnificentissimus  vorbehalten,  die  oberste  Leitung  aber  in  «dem  Stiftungsbriefe
einem  Direktor  übertragen,  der.  immer  ein  wirklicher  Geheimrat  sein,  vom  Markgrafen
selbst  ernannt  und  diesem  unmittelbar  unterstell,  von  allen  anderen  Kollegien  dazegen
„ünzlich  separiert“  sein  sollte.

Zum  ersten  Direktor  und  Kanzler  der  Universität  ernannte  Friedrich  den  Geheimra
nnd  N.eibmedikus  Daniel  von  Superville.  Keinem  Würdigeren  konnte  das  schwierige
‚mt  übertragen  werden  als  diesem.  Er  hatte  hervorragenden,  vielleicht  entscheidenden
Anteil  an  der  Gründung  der  Universität,  Es  war  ein  schwerer  Schlag  für  die  Universität,
daß  dieser  Mann  schon  im  Jahre  1748  dem  fortwährenden  Ansturm  seiner  zahlreichen
Giegmer  weichen  mußte.

Der  Sufiungsbrief  hatte  vier  Fakultäten,  die  theologische  mit  2  ordentlichen  und
I  oder  2  außerordentlichen  Professoren  aus  den  Philosophen,  die  juristische  mit  2,  die
medizinische  mit  3,  die  philosophische  mit  4  Professoren  in  Aussicht  gestellt,  erforderlichen
  Falles  aber  die  Anstellung  einer  größeren  Zahl  von  V’rofessor.n  in  allen  Fakultäten
verheißen.  Die  Professur  der  Geschichte  sollte  ein  Professor  der  Rechte,  die  der
orientalischen  Sprachen  ein  Theologe,  die  der  Mathematik,  der  griechischen  Sprache  und
der  Antiquitäten  ein  Professor  der  Philosophie  verschen,  die  Professur  der  Poesie  und
Bereesamkeit  dem  Tuuglichsten,  welcher  Fakultät  er  auch  angehöre,  übertragen  werden.
Aber  die  ersten  Anstellungen  gingen  über  diese  Bestimmungen  weit  hinaus  und  den
Bemühungen  Supervilles  gelang  es,  größtenteils  tüchtige  Kräfte  zu  gewinnen.  Wir  finden
schon  in  den  ersten  Jahren  3  ordentliche  und  2  außerordentliche  Professoren  der
Theologie,  5  ordentliche  Professoren  der  Rechte,  ebensoviele  der  Medizin  und  7  in  der
philosophischen  Fakultät,  welch  letztere  indes  zum  Teil  auch  in  der  theologischen  und
juristischen  Faknltät  zu  lehren  hatten.

Die  theologische  Fakultät  war  eine  lutherische;  es  war  ihr  zur  Pflicht  gemacht,
streng  auf  den  lutherischen  Lehrbegriff  zu  halten.  Die  sämtlichen  Professoren  taten  dies
auch  und  bezeugten  es  durch  eifrige  Polemik  gegen  die  anderen  Konfessionen  sowohl  als
gegen  die  Neuerungen,  die  eben  damals  im  Protestantismus  ihren  Aufang  nahmen.
Unter  den  ersten  ordentlichen  Professoren  der  Theologie  (Germ.  Aug.  Ellrod,  Joach.
Ehrenfried  Pfeiffer,  Caspar  Jakob  lluth)  war  der  bedeutendste  der  Mecklenburger
Pfeiffer;  fast  alle  Geistlichen  im  Bayreuthischen  in  den  sechziger  Jahren  des  18.  Jahrhunderts
  waren  von  ihm  gebildet.  Unter  den  ersten  ordentlichen  Professoren  der  Rechiswissenschaft
  (Joh.  Wilh.  Gadendam,  Andr.  Elias  Koßmann,  Joh.  Got.  Gonne,
Karl  Ad.  Braun,  Joh.  Justus  Schierschmidt)  war  wohl  Roßmainn,  ein  Schüler  der
Hallenser  Vrofessoren  1.udewig  und  Böhmer,  der  hervorragendste.  Die  medhzinische
Fakultät  bestand  bei  Lründung  der  Universität  aus  5  Professoren  (Joh.  Friedr.  Weißmann,
  Kan  Christ.  Schmidel,  Matth.  Geurg  VP’fann,  Christ.  Samuel  Gebauer,
loh.  Adam  Hoffmann),  von  denen  sich  Schmidel  als  Lehrer  und  Gelehrter  (besonders
im  Fache  der  Botanik)  bekannt  und  auch  nach  seinem  Austritt  als  Mitglied  der
Universitätskuratel  sehr  verdient  gemacht  hat.  Von  den  7  Professoren  der  philosophischen
Yakultät  gehörte  1  der  theologischen  Fakultät  (Ellroch),  3  der  juristischen  Fakultät  an