4%  Die  einzelnen  Universitäten.

(Cradendam,  Roßmann,  Schierschmidt),  2  waren  zugleich  außerordentliche  Professoren  der
theologischen  Fakultät  (der  Mathematiker  Georg  Wilh.  Poezinger  und  der  Professor
der  Philosophie  und  orientalischen  Sprachen  Joh.  Sigm.  Krisper);  bloß  der  philosophischen
  Fakultät  gehörte  1  Professor  an  (der  Mathematiker  Jak.  With.  Hoffmann,
der  aber  auch  Politik,  Geographie  und  einige  andere  Fächer  lehrte.  Tas  Personal  der
Universität  wurde  ergänzt  durch  1  Lektor  der  französischen,  1  Lektor  der  italienischen
Sprache,  1  Lehrer  des  Englischen.  Htwas  später  findet  sich  auch  1  Lektor  des
Rabbinischen  und  Hlebräischen.  Die  Zahl  der  Immarrikularionen  (1743—1764)  stellte  sich
während  der  Regierungszeit  Friedrichs  in  einigen  Jahren  etwas  über  100,  blieb  aber  in
der  Regel  erheblich  unter  dieser  Ziffer.  Seminaristische  Übungen  wurden  zwar  von  einigen
Professoren  gehalten,  so  von  Anfang  an  homiletische,  seit  1751,52  auch  katechetische,  aber
an  staatlich  dotierten  Seminarien  und  sonstigen  Anstalten  fehlte  es,  mit  alleiniger
Ansnahme  «des  175  in  einem  Anbau  an  das  Universitätsgebäude  eingerichteten
„Anatomischen  Theaters“  gänzlich.  Die  Einnahmen  der  Universität,  größtenteils  Gefälle
von  Karnmergütern  und  Naturalerträge,  waren  schr  knapp  und  zudem  schwankend,
mehrten  sich  aber  langsam  durch  weitere  Schenkungen  des  Markgrafen  und  cinige  eigene
Kinkünfte  der  Universität.  Auch  die  Gebäulichkeiten  waren  ungenügend,  weshalb  viele
Professoren  in  ihren  eigenen  Wohnungen  lasen.

Infolge  dieser  Verhältnisse  konnte  es  die  Universität  zu  keiner  Blüte  bringen.
ie  Zahl  der  Inskriptionen  sank  vorübergehend  auf  48.  Ja  unter  dem  ersten  Nachfolger
ihres  Gründers,  dem  Markgrafen  Friedrich  Christian,  scheint  man  ernstlich  deren  Aufhebung
  ins  Auge  gefaßt  zu  haben.  Es  war  für  den  Fortbestand  der  Universität  und
deren  Aufblühen  von  der  größten  Bedeutung,  daß  am  20.  Januar  1769  der  Markgraf
Christian  Friedrich  Kar!  Alexander  von  Ansbach  die  Regierung  der  Bayreuthischen
  lande  übernahm.  Dieser,  ein  wohlwollender  Fürst,  der  durch  Sparsamkeit  die
Mittel  gewann,  die  Schulden  des  landes  zu  tilgen  und  dessen  Anstalten  zu  fördern,
wurde  ihr  zweiter  Ciründer,  und  mit  Recht  nennt  sie  sich  deshalb  Friderico-Alexandrina.
Er  verfügte,  daß  ihr  Zustand  genau  untersucht  und  die  Mittel  angegeben  werden  sollten,
die  geeignet  wären,  sie  zu  heben.  Eine  eigene  Deputation  unterrichtete  sich  durch
I.insichtnahme  und  durch  die  Mitteilungen  der  Lehrer  von  den  bestehenden  Mängeln.
Durch  angemessene  Verfüpungen  wurden  diese  nach  und  nach  behoben.  Die  Lücken  im
Personalstande  wurden  ausgefüllt,  neue  Stellen  geschaflen,  Methude  und  Hifer  der  Lehrer
sorgfältig  überwacht,  über  die  Disziplin  geeignete  Verordnungen  erlassen,  Institute
grepründet,  die  Einkünfte  der  Universität  freigebig  vermehrt.  Aber  alle  diese  Verfügungen
würen  kaum  von  Erfolg  gewesen,  wenn  es  dem  Markgrafen  nicht  gelungen  wäre,  tüchtige
L.chrer  für  seine  Ilochschule  zu  gewinuen.  Unter  den  Professoren,  welche  bald  nach
seinen  Regierungsantritte  an  die  Universität  berufen  wurden  und  zu  besonderer  Anerkennung
gelangten,  hat  Seiler  viel  für  die  Gründung  von  Instituten  der  theologischen  Fakultät
getan.  Die  Theologen  Ilufnagel,  Hänlein,  Ammon’)  waren  von  Bedeutung  nicht  nur
wegen  ihrer  l.ehrgabe  und  Persönlichkeit,  sondern  weil  sie  die  von  Göttingen  ausgehende
Änderung  der  theologischen  Richtung  zuerst  in  Erlangen  veitraten.  Die  juristische
Fakultät  begann  mit  der  Anstellung  des  Stantsrechtsiehrers  Klüber  und  des  Pandektisten
Glück  eme  ihrer  glänzendsten  Perioden.  Die  medizinsche  Fakultät  ist  eigentlich  durch
‚\lexanders  Freigebigkeit  erst  gegründet  worden.  Seit  dem  Sturz  Supervilles,  der,  selbst
Mediziner,  der  medizinischen  Fakultät  besondere  Sorgfalt  zugewendet  hatte,  war  diese
vernachlässigt  worden.  Nun  wurde  sie  durch  die  Anstellungen  tüchtiger  Kräfte,  wie
Schrebers  (in  Frlangen  1769—1810),  unter  dem  der  hotanische  Garten  erweitert  und
eine  umiassendere  Betreibung  der  Naturwissenschaften  angebahnt  wurde,  und  des  Chirurgen

*)  Der  bedeutendste  von  diesen  war  Uhrist.  Frl.  Ammon  117061849),  wirkte  in
Erlangen  1789  —1794  und  1804—  1813.