Die  Königl.  Barerische  Friedrich-.Mexanders-Universität  zu  Erlangen.  49]

und  Gynäkologen  Rudolph  des  Älteren  (in  Erlangen  1769—1797)  zu  neuem  Jaben
erweckt  und  init  neuen  Instituten  ausgerüstet.  In  ähnlicher  Weise  wurde  für  das  Aufblühen
  der  philosophischen  Fakultät  gesorgt.  Die  Verbindung  philosophischer  Disziplinen
mit  theologischen,  juristischen  und  nedizinischen  Professuren  wurde  gelöst,  die  Philosophie
  einem  cigenen  J.chrer  anvertrant;*}  die  Natnrwissenschaften,  früher  durch  einen
Professor  vertreten,  wurden  in  zweckmäßiger  Sonderung  verschiedenen  Professoren  übertragen,
  die  Kameralwissenschaften  traten  in  die  Keihe  der  Universitätsdisziplinen;
Geschichte  und  Statistik  erhielten  eigene  Professuren,  die  Philologie  wurde  selbständig,
ebenso  die  Mathematik  und  Physik.  Besonders  verdienstvoll  war  das  Wirken  des  Philologen
  G.  Chr.  IHarlteß  (in  Erlangen  1769—1815),  der  die  Stiftung  des  philologischen
Seminars  bewirkt  hatte  und  des  Historikers  Joh.  Georg  Meusel  (in  Erlangen
1779—  1820).  Unter  «den  sonstigen,  während  der  Kegierung  des  Markgrafen
Friedrich  Alexander  an  der  Erlanger  Hochschule  wirkenden  Dozenten  seien  als  die
bedeutendsten  hervorgehoben:  der  Professor  der  Physik  und  Astronomie  Joh.  Tobias
Maser  (in  Erlangen  1786  —1791,  der  Anatom  Friedr.  Ileinr.  Loschge  tin  Frlangen
1784—  18401,  der  Zovloge  E.  ]J.  Christ.  Esper  tim  Erlangen  1782-1810)  und  der
Philosoph  ].  Fr.  Breyer  tin  Erlangen  1770—  18261.

Die  nachhaltige  Fürsorge  des  Markgrafen  konnte  aber  wicht  verhindern,  daß  in
den  letzten  fahren  seiner  Regierung  eine  bedenkliche  Abnahme  der  Universität  eintrat.
Wahrend  in  den  Jahren  1776—1783  die  Zahl  der  Immatrikulationen  immer  über  100
1780  132)  betrug.  begann  sie  von  da  ab  zu  schwanken  und  sank  in  einzelnen  Jahren
bis  auf  83  und  79**ı.  Die  Schuld  hieran  trug  teils  die  ungeeigmete  Besetzung  einzelner
Professuren,  teils  der  Umstand,  daß  trotz  der  Fürsorge  des  Markgrafen  die  medizinischen
Institute  und  andere  Anstalten  den  Anforderungen  nicht  genügten  oder  ganz  fehlten,
zum  Teil  endlich  lag  sie  in  äußeren  Umständen.

Im  Januar  1792  gingen  die  beiden  Fürstentümer  Ansbach  und  Bayreuth  an  Preußen
über,  ohne  daß  in  den  Verhältnissen  der  Universität  zunächst  wesentliche  Änderungen
eintraten.  Unter  den  während  der  preußischen  Ilerrschaft  neu  hinzugekommenen
Professoren  verdienen  Erwähnung:  der  Profesor  der  historischen  ‘Theologie  Ph.  €.
Marheineke  tin  Erlangen  1805—  1807  1,  die  Mediziner  Chr.  Friedr.  Harleß  (1796  bis
1805),  G.  Fr.  Hildebrandt  (1793—1816),  Bernh.  Nath.  Gottl.  Schreger  11797  his
18251,  Ad.  Ienke  (1804-1843),  die  Philosophen  Gottlieb  E.  A.  Mehmet  (1792  bis
1840),  Joh.  Heinr.  Abicht  (1789-1804,  und  Joh.  Gottlieb  Fichte,  der  allerdings
nur  im  Sommersemester  1805  der  Erlanger  Universität  angehörte,  die  Mathematiker
R.  C.  von  Langsdorf  (1796—1804)  und  Hleinr.  Aug.  Rothe  (1804—1824).  Erst  in
den  letzten  Jahren  «der  preußischen  Regierung  begann  eine  eifrige  Tätigkeit  zur  Förderung
der  Universität,  namentlich  durch  bessere  Ausgestaltung  ihrer  Anstalten.  Die  Aufwendungen
für  das  Collegium  medieum  wurden  allmählich  auf  jährlich  700  Gulden  gebracht,
1000  (milden  zur  Verbesserung  der  Anstalt  geschenkt;  das  homiletische  Seminar
(Predigerseminar)  wurde  mit  80  Gulden  jährlich  dotiert,  der  Etat  des  Naturalienkabinetts
1792  auf  100  Gulden,  später  auf  400  Gulden  erhöht  und  die  Sammlung  durch  außerordentliche
  Ankäufe  vermehrt.  Auch  der  Etat  des  botanischen  Instituts  erhielt  1804  eine
bedeutende  Erhöhung.  1799  wurde  für  die  chemische  Professur  ein  Haus  gekauft,  für
das  matheinatische  Kabinett  eine  Sammlung  um  400  Gulden  erworben.  Gegen  das
Ende  der  preußischen  Regierung  betrug  der  Etat  für  Chemie  160  Gulden,  für  Physik
205  Gulden,  für  Mathematik  und  Maschinenlehre  160  (milden  und  für  den  kameralistischen

*)  Als  erster  Dozent  war  kein  Geringerer  als  Imm.  Kant  in  Aussicht  genommen,
der  aber  ablehnte,

**)  Unter  den  Immatrikulierten  nehmen  abwechselnd  die  Theologen  und  die  Juristen
die  erste  Stelle  ein;  die  Zahl  der  Mechziner  ist  immer  gering.