492  Die  einzelnen  Universitäten.

Unterricht,  besonders  zur  Anlegung  eines  „ökonomischen  Gartens“,  200  Gulden.
Schließlich  wurden  der  Universität  noch  zwei  Rittergüter  seitens  des  Königs  geschenkt
und  aus  deren  Erlös  ein  IHlaus  zur  Unterbringung  der  sümtlichen  physikalischen,
mathematischen  und  chemischen  Apparate  gekauft.  Diese  Unterbringung  wurde  aber
niemals  vollzogen,  das  Ilaus  vielmehr  1839  wieder  verkauft.  Der  Bau  eines  Krankenhauses
  wurde  1803  in  Angriff  genommen,  1804  die  Errichtung  einer  chirurgischen  Klinik
init  500  (rulden  Jahresetat,  1806  die  Aufführung  eines  eigenen  Anatomiegebäuden
beschlossen.  Allein  der  ausbrechende  Krieg  machte  «diesen  Projekten  ein  rasches  Ende-Anı

  23.  Februar  1806  besetzten  die  Frauzosen  das  Fürstentum  Ansbach,  im
September  1806  das  Fürstentum  Bayreuth,  Ber  französische  Gouverneur  erklärte,  daß
nach  dem  Willen  seines  Kaisers  alle  öffentlichen  Bildungsanstalten  unter  dem  Schutze
der  Armeebehörden  stünden  und  daß  er  insbesondere  nit  aller  seiner  Macht  darüher
wachen  wolle,  daß  der  Fortgang  er  Studien  an  der  Universitat  auf  keine  Weise  gestört
werde.  In  der  Tat  hatte  sich  die  Universität  über  harte  Maßregeln  gegen  lehrer  und
Sundierende,  wie  sie  gegen  einige  norddeutsche  Universitnten  angewendet  wurden,  wicht
zu  beklagen.  Dagegen  litt  sie  erheblich  durch  Verkümnmerung  ihrer  Einkünfte,  welche  es
unmöglich  machte,  den  Verbesserungsplänen,  welche  die  preußische  Regierung  im  Jahre
vor  der  Eroberung  auszuführen  angefangen  hatte,  Folge  zu  geben.  Alle  aus  dem
Fürstentum  Ansbach  fließenden  Einkünfte  wurden  nicht  bezahlt,  auch  die  aus  preußischen
Seehandl  bligati  bisher  bezogenen  Zinsen  im  Betrage  von  1015  Gulden  kamen  in
Wegfall,  sodaß  die  (resamteinnahme  der  Universität  von  62000  auf  39000  Gulden  sank.
Die  Folge  war,  «daß  die  Besoldungen  unregehnäßig  ausgezahlt  und  die  Einnahmen  der
Institute  durchaus  verkürzt  wurden.

Die  mißliche  Jage,  in  welche  die  Universität  durch  die  französische  Okkupation
versetzt  worden  war,  kunnte  durch  die  im  Jahre  1810  erfolgte  Kinverleibung  des
Fürstentums  Bayreuth  in  das  Königreich  Bayern  nicht  sofort  beseitigt  werden.  Aber  was
möglich  war,  geschah  sofort  und  noch  vor  Beendigung  der  Kriege  wurden  wenigstens
die  dringenden  Bedürfnisse  derjenigen  Lchrer  befriedigt,  denen  die  französische  Verwaltung
Besoldungen  angewiesen  hatte,  ohne  die  erforderlichen  Mittel  bereit  zu  stellen.  Die
l.chrstellen  wurden  vermehrt,  die  Bezüge  der  Universität  erhöht,  neue  Institute  gepründen

und  die  alten  ausreichender  dotiert.  Fawen  wir  zunüchst  die  Zeit  bis  zum  100jährigen
Stiftungesfest  ins  \uge,  so  sind  folgende  für  das  Universitätsleben  wichtige  Vorgänge  zu
verzeichnen:  Im  Jahre  1816  wurde  der  Gedanke  an  den  Bau  des  Krankenhauses,  der
durch  den  Krieg  unterbrochen  worden  war,  wieder  aufgenommen,  und  der  Bau  unter
tinanzieller  Beteiligung  der  Stadt  im  Winter  1823/24  vollendet.  In  dem  Krankenhanse
wurde  nunmehr  die  medizinische,  die  chirurgische  und  die  geburtshilfliche  Klinik  untergebracht.
  1827  wurde  eine  neue  Yntbindungsanstalt  in  einem  von  der  französischreformierten
  Kirchengemeinde  gemieteten  llause  eingerichtet.  Kin  Jahr  vorher  war  der
Anatomie  das  cheinalige  Orangeriegebäude  im  Schloßgarten  zugewiesen  worden;  hier
fanden  auch  die  Sammlungen  der  anatomischen  Anstalt,  die  inzwischen  durch  einige
AAnkäufe  vermehrt  worden  waren,  Unterkunft.  Dns  Naturahenkabinett,  bis  dahin  in
gemicteten  Räumen  notdürftig  untergebracht,  wurde  nach  Überlassung  des  alten  nmarkgräflichen
  Schlosses  nebst  Zubehörungen  an  die  Universität  (1817),  zugleich  mit  der
sibliothek  in  diesem  tim  Jahre  1826)  untergebracht.  Mit  der  Aufstellung  eigener
Professoren  für  allgemeine  Naturgeschichte  und  Mineralogie  einerseits  und  für  Zoologie
andererseits  war  die  ‘Trennung  der  Direktion  verbunden;  dem  Mincralogen  wurde  das
mineralogische,  dem  Zoologen  das  zoologische  Kabinett  unterstellt.  Der  botanische
Garten  wurde  1825  in  den  Schloßgarten  verlegt.  Das  physikalisch-chemische  Institut  sowie
das  matheimatisch-technologische  Institut  fanden  1840  in  dem  sogenannten  Museumsgebäude,
der  alten  Konkordienkirche,  Aufnahme.  Auch  der  zunächst  im  Privatbesitz  des  Professors
Martins  verbliebenen  pharmazeutisch-pharınakognostischen  Sammlung  wurden  in  diesen
Gebünde  Räume  zugeteilt.  Endlich  wurde  in  dem  Museum  1838  eine  größere  Anzahl