Die  Königl.  Sächsische  Universität  Leipzig.  505

lichen  Stadt  billiger;  auch  sprach  man  von  „exquisiten  I.egenten“,
die  an  die  neue  Universität  berufen  werden  sollten.  Man  mußte  sich
somit  auf  cine  Massenauswanderung  gefaßt  machen.  In  der  Tat
kam  es  zu  einem  ähnlichen  \Wettstreite  zwischen  Wittenberg  und
l.eipzig,  wie  seinerzeit  zwischen  Erfurt  und  Leipzig.

2.  Frequenzverhältnisse.

Aın  Ende  des  16.  Jahrhunderts  erreicht  l.eipzig  die  erste  Stelle  unter  allen  deutschen
Universitäten  und  behält  sie  auch  während  des  17.  Jahrhunderts.  Freilich  sind  die  hieruber
  berechneten  und  veröffentlichten  Zahlen  keineswegs  einwandfrei.  Ts  ist  Tatsache,
daß  einem  an  den  Hochschulen  weitverbreiteten  Mißbrauche  zufolge  schun  Kinder,  mitunter
  zartesten  Alters,  immatrikuliert  wurden.  Viese  erschienen  erst  sehr  viel  später  auf
der  Hochschule  selbst  oder  kamen  wohl  überhaupt  garnicht.  Man  kann  also  aus  der
Zahl  der  Inskribierten  nur  insofern  auf  die  wukliche  Frequenz  schließen,  als  man  die
Gewißheit  hat,  daß  die  Träger  der  eingeschriebenen  Namen  wirklich  erschienen  waren.
Diese  Gewißheit  hat  man  in  den  Fällen,  wo  bei  dem  Namen  die  Angabe  gemacht  ixt,
dad  sein  Inhaber  den  Eid  geleistet  hat.

Es  ist  unter  diesen  Umständen  schwer  zu  sagen,  solange  noch  keine  genaueren
Nachweise  und  Berechnungen  vorliegen,  ob  im  18.  Jahrhundert  die  Frequenz  Leipzig
zu-  oder  abnahm  gegen  das  vorhergehende.  Nach  allen  Inskriptionen  berechnet  (mit
Ihlfe  eines  dem  durchschnittlichen  Aufenthalte  von  1,8  Jahren  entsprechenden  Reduktion»
fıktors)  ergibt  sich  eine  Frequenz

im  Jahre  1700  von  875  Studenten,
„  „  1720  „  720  „  ‚
»  nn  170  „  70  „  ‚
„n  1760  „  4%  „  »
»„  „1780  „  643  „  .
»  „1800  „  416  „  ‚
vn  120  „  614  „

Seht  dem  Sommersemexter  1830  steht  in  den  Personalverzeichnissen  ein  zuverlässigeres
  Material  zur  Verfügung  über  die  tatsächlich  an  der  Universität  sich  aufhaltenden
Studenten.  Die  Präsenzzahl  bewegt  sich  danach  bis  zum  Jahre  1864  an  der  Grenze  von
1000.  Mit  dem  Jahre  1865  wird  diese  Tlöhe  erreicht,  seit  dem  Jahre  1871  überschritten.
Im  einzelnen  entsteht  folgendes  Bild:

Die  Zahl  der  immanrikulierien  Studenten  war  im

Wintersemester  180  .  .  .  .  .  1262  Sommersemester  1900  2  0020..3269
n  140...  .2.2..95  Wintersemester  190001  .  .  .  .  3585
„  180:  2.2.2.2.  02  Sommersemester  1901  22020.  3517
„  160  ....0..874  Wintersemester  190102.  .  .  3748
„  1870...  1762  Sommersemester  1902  on  3608
„  1880...  ..  0.33%  Wintersemester  190203.  .  .  .  3764
„  8EO  .:.  2.2...  458  Sommersemester  103  .  .  .  ..  3605

Zahl  der  sonstigen  zum  Hören  der  Vorlesungen  Zugelassenen:

50.20  WIMO.  2...  39
W100...  O7
SI...  9  W.  190001...  .  39