Die  Königl.  Sächsische  Universitat  Leipzig.  513

als  solche  der  praktischen  Staatswissenschaften  und  Kamertwissenschaften  bezeichnet
wurde,  gab  cs  seit  5.5.  1842,  eine  der  Geographie  seit  S.-S,  1871,  der  Kunstgeschichte
seit  8.8.  1873.  Die  Professur  für  orientalische  Sprachen  trat  1813  (seit  1899  in  2  Ordinariate
  zerlegt),  für  dentsche  Sprache  und  Literatur  erst  1844  ın  «den  Kreis  der  Ordinanate,
  eine  für  ostasiatische  Sprachen  1849,  die  für  romanische  Sprachen  1862,  eine  fir
slavische  Sprachen  im  W.-S.  1876/77,  für  Sanskrit  im  \W.-S,  1877  78,  für  die  englische
Sprache  im  W.-S,  1880  81,  für  Ägyptologie  seit  SS.  1875,  die  indes  später  wieder  fallen
gelassen  ist.

Die  medizinische  Faknltät  umfaßte  zu  Beginn  des  18,  Jahrhunderts  4  Vrofessuren:
  "Therapie,  Pathologie,  Physiologte  und  Chirurgie,  Mit  letzterer  war  die  Anatomie
verbunden,  Als  5.  Professur  kanı  die  für  allgemeine  Chemie  dazu.  Der  catalyrıs  scholarım
  von  1777  hat  5  ordentliche,  4  außerordentliche  Professuren  und  4  Privatdozenturen.
Als  6.  Ordinarins  kam  1810  der  Gynäkolog,  als  7.  1812  der  Kliniker.  Der  Professor
chirurgiae  ordinarius  erreichte  erst  1824  nach  der  Trennung  von  der  Anatomie  einen
ofnziellen  Sitz  in  der  Fakultät.  Im  Jahre  1821  kamen  (die  Ordinariate  für  Psychiatrie
und  für  gerichtliche  Medizin  «Staatsarzneikunde)  hinzu,  sodaß  die  Fakultiu,  da  Physiologie
und  Pathologie  in  einer  lland  ruhten,  9  Professuren  aufwies.  Die  Professur  für  Augenheilkunde,
  seit  1852,  die  Ilygiene  seit  W.-S.  187879  und  die  für  P’harmakologie  seit
W..S.  1884  85  (nachdem  seit  1849  50  P’harmakologie  und  allgemeine  Therapie  in  einer  Hund
vereinigt  gewesen  waren)  beschließen  die  Entwicklungsreihe.

Bei  den  Juristen  waren  5  alte  Professuren:  Decretaliun,  Codicis,  VPandectarım,
Iustitntionun,  utrruxe  titmli  de  verb.  sign.  et  de  regul.  jur.  Dazu  kamen  seit  1702:
juris  saxonicı,  1711  jus  natnrale,  1712  jus  feudale  commune  et  saxonicun,  1775.76  eine
Moralis  et  Polit,  Fatraordinariate  waren  1699  noch  ganz  unbekannt.  Im  Lektionskatalog
von  1777  dagegen  sind  8  Ordinariate,  +  Extraordinanate  und  10  Privatdozenturen  nachgewiesen.


In  der  theologischen  Fakultät  hatte  man  ursprünglich  vier  der  Zahl  nach
bezeichnete  Professoren,  von  denen  zwei  jedes  Jahr  über  das  alte,  zwei  über  das  neue
Testament  lesen  sollten.  Die  fünfte  Professur  wor  die  Mlebriüsche,  die  1542-  -1658  von
der  theologischen  Faknluit  getrennt  war.  Iın  Jahre  kam  cine  Profesio  antiquitat,  ecclestasticarım
  hinzu,  Der  l.ektionskatalog  von  1777  hat  6  ordentliche  nnd  1  außerordentliche
Professur.

Zur  Förderung  der  Studierenden  dient  das  Königliche  Konvikt,  der  „gemeine
Tisch“  (mensa  communis\.  Seine  Stiftungsurkunde  ist  am  22,  April  1544  ausgefertiget.
Es  werden  jetzt  semesterlich  299  Studenten  an  25  Tischen  mittags  und  abends  gespeist,
Von  den  Plätzen  sind  132  königliche,  die  teils  vom  Ministerium,  teils  von  den  einzelnen
Professoren  im  \nftrage  des  Ministerinmns  auf  Grund  von  Meldungen  vergeben  werden.
Vermöpensausweis  und  Abiturientenzeugnis  werden  dabei  berücksichtiget.

Ergänzt  wird  die  wohltätige  Wirksamkeit  der  eben  geschilderten  Anstalt  durch  das
im  Geschäftsjahr  1875  76  auf  Anregung  des  (amaligen  Rektors  Overbeck  gegründete
Institut  der  sugen.  Professorenfreitische  Dasselbe  basiert  anf  Beiträgen  der
akademischen  Lehrer  selbst.

Die  akademische  l.eschalle  wurde  am  1.  Oktober  1874  cröfinet,  In  Anerkennung
  ihrer  Wichtigkeit,  da  die  Beiträge  der  Mitglieder  zur  Erhaltung  nicht  ausreichen,
  hat  das  Kultusministerinm  weiter  das  Deßzit  des  ersten  Verwaltungsjahres  gedeckt
  und  gewährt  fortlaufend  1200  M.

6.  Akademische  Institute.

(Für  die  hier  gebotene  Übersicht  wurden  benutzt  die  L.ektionsverzeichnisw  der
Universität  seit  1777,  die  Personalverzeichmisse  seit  1830,  Nr.  1—144,  die  Berichte  (der
abtretenden  Rektoren,  seit  1871  gedruckt,  Ferser  aus  der  Spezialliteratur:  (Fr.  Bulau)  Sr.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  1.  33