Die  Königl.  Sächsische  Universität  Leipzig.  52

8.  Medizinisch-poliklinisches  Institut.  Eim  medizinisches
Poliklinikum  hatte  Professor  Puchelt  schon  im  Jahre  1812  und  in
weiterer  Ausdehnung  4  Jahre  später  errichtet.  In  den  Personalverzeichnissen
  erscheint  das  Institut  seit  dem  S.-S.  1040  zuerst  unter
der  Leitung  der  Professoren  Cerutti  und  Braune.  Als  dann  der
Neubau  des  pharmakologischen  Instituts  im  Jahre  1884  beschlossen
war,  wurde  auf  Antrag  der  medizinischen  Fakultät  genehmigt,  dats
auf  dem  zu  diesen  Zwecke  bestimmten  Platze  in  Verbindung  mit
ihm  auch  die  medizinische  und  chirurgische  Poliklinik,  welche  letztere
die  Wandlungen  des  ersteren  getreulich  mitgemacht  hatte,  aufgenommen
  werden  sollten.  Für  427325  M.  wurde  der  die  drei
Anstalten  aufnchmende  Neubau  hergerichtet.  Die  Anstalt  unterstand
bis  W.-S.  1885/86  dem  Professor  Strümpell  und  nach  dessen  Weggang
dem  Professor  Friedr.  Albin  Hoffmann  seit  W.-S.  1886/87,  der  dann  ini
W.S.  188889  in  das  neue  Gebäude  auf  der  Nürnberger  Straße  55
übersiedeln  konnte.  Der  Etat  dieser  Klinik,  die  innere,  Haut-  und
Nervenkrankheiten  umfaßt,  ist  a)  9350  M,,  von  denen  350  M.  eigene
Einnahmen,  bı  10350  M.  Zu  ihr  gehört  eine  „Distrikts-Poliklinik“,
die  darin  besteht,  daß  der  leitende  Professor  mit  den  Studenten  die
Kranken  in  ihren  Wohnungen  aufsucht.

%.  Psychiatrische  und  Nervenklinik.  Im  Frühjahr  1878  beauftragte
  das  Ministerium  den  außerordentlichen  Professor  Paul
Flechsig,  eine  für  den  psychiatrischen  Unterricht  bestimmte  selbständige
Irrenanstalt  („Irrenklinik'')  mit  allen  zur  Pflege  oder  Heilungr  Geisteskranker
  notwendigen  Hilfsmitteln  zu  organisieren.  Der  Bau  wurde
im  Frühjahr  1880  begonnen  und  im  Frühjahr  1882  beendet.  Am
2.  Mai  1882  konnte  die  Klinik  der  allgemeinen  Benutzung  zugänglich
semacht  werden.  Der  Bau  wurde  für  1142452  M.,  einschließlich
3WOO  M.  für  den  Bauplatz,  hergestellt.  Im  Jahre  1889  wurde  der
Bau  einer  Isolierbaracke  notwendig  für  3666  M.  Daran  schloß  sich
1899  cin  Erweiterungsbau  (Vermehrung  der  Krankenräume)  für
17128  M.  Der  Etat  ist  a)  174  512  M.,  unter  welchen  96  744  M.  eigene
Einnahmen,  b)j  55  745  M.

10.  Chirurgisch-poliklinisches  Institut.  Ein  solches  wurde
im  Jahre  1830  von  dem  gerichtlichen  Stadtwundarzte  Dr.  J.  K.  W.
Walther  und  Dr.  Carus  ins  Leben  gerufen.  Im  Personalverzeichnis
aus  dem  S.-S.  1840  erscheint  zum  ersten  Male  unter  den  akademischen
Instituten  eine  „ärztliche  und  wundärztliche  Beratungsanstalt“.  Seit
1989  ist  cs’  in  dem  schon  erwähnten  Neubau  auf  der  Nürnberger
Straße.  Das  Institut  wurde  viele  Jahre  von  Professor  Benno  Schmidt,