536  Die  einzelnen  Universitäten.

Regelung  der  Universitätsverfassung,  die  1831  durch  eine  noch  jetzt
gültige  Verordnung  im  wesentlichen  so  gestaltet  wurde,  wie  sie
dermalen  an  allen  deutschen  Universitäten  geordnet  ist.  Doch  besteht
kein  engerer  Senat,  sondern  die  unmittelbare  Leitung  der  Anstalt
führt  neben  dem  Rektor  die  Gesamtheit  der  ordentlichen  Professoren,
und  ein  Mitglied  dieses  Senats,  mit  dem  Titel  Kanzler,  ist  mit  der
nächsten  staatlichen  Aufsicht  betraut.

Die  angeführten  Tatsachen  erklären,  warum  erst  in  den  dreißiger
Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  die  Modernisierung  der  Universität
begann,  und  insbesondere  die  häufigere  Berufung  auswärtiger  l.ehrkräfte.
  Bis  dahin  waren  diese  in  Tübingen  eine  ebenso  kleine  Minderzahl
  wie  die  fremden  Studenten.  Die  bedeutendsten  Professoren  des
vorigen  Jahrhunderts,  die  evangelischen  Theologen  Ferd.  Christian
Baur,  der  Begründer  der  „Tübinger  Schule“,  der  Dogmatiker  Joh.
Tobias  Beck,  der  Orientalist  August  Dillmann  und  der  Kirchenhistoriker
  Karl  Weizsäcker,  die  katholischen  Theologen  Joh.  Adam
Möhler  und  Karl  Jos.  Hefelce,  der  Jurist  Karl  Georg  Wächter,
der  Kliniker  Wilhelm  Griesinger,  der  Nationalökonom  Friedrich  List,
der  Mathematiker  und  Astronom  Joh.  Gottl.  Friedr.  Bohnenberger,
der  Chemiker  Christian  Gmelin,  die  Brüder  Robert  und  Hugo  Mohl
(der  Staatsrechtslehrer  und  der  Botaniker),  der  Dichter  und  Germanist
l.udwig  Uhland,  der  Sanskritist  Rudolf  Roth,  der  Ästhetiker  Friedrich
Vischer  u.  a.  m.  waren  sämtlich  in  Württemberg  geboren.  Von
gleichwertigen  Fremden,  die  seit  den  dreißiger  Jahren  berufen  wurden,
sind  z.  B.  zu  nennen  der  Mineralog  Friedr.  Aug.  Quenstedt,  der
Theolog  Hemrich  Ewald,  der  Chirurg  Viktor  Bruns,  der  Kliniker
Karl  Liebermeister,  die  Juristen  Karl  Gerber  und  Alois  Brinz  usw,

Nachdem  im  Jahre  1845  das  jetzige  Universitätsgebäude  und
bald  darauf  einige  Bauten  für  Institute  errichtet  waren,  wurde  in  den
fünfziger  Jahren  die  Verlegung  der  Universität  nach  Stuttgart  cingchend
  erwogen,  um  ihr  die  Vorteile  einer  großen  Stadt  zu  verschaffen.
  Der  Gedanke  wurde  schließlich  abgelehnt  und  nunmehr  in
Tübingen  mit  Eifer  an  die  Errichtung  neuer  Institute  und  Kliniken
gegangen,  der  in  den  folgenden  Jahrzehnten  glänzende  Erfolge  zeitigte.

3.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  I%3).

Die  Universität  besitzt  7  Fakultäten,  da  zwei  theologische  vorhanden
  sind,  von  der  philosophischen  eine  naturwissenschaäftliche  abgezweigt
  ist  und  auch  eine  staatswissenschaftliche  besteht.