Die  Großherzogl.  Badische  Ruprecht-Carls-Universität  zu  Heidelberg.  545

Professoren  *),  2  außerordentliche  und  einen  Privatdozenten.  Es  bestehen
  zwei  Seminarien:  cin  „wissenschaftliches‘  und  ein  „praktisches“.
Jenes  (scit  1895)  dient  zur  Ergänzung  der  Vorlesungen  und  wird  von
den  Vertretern  der  verschiedenen  theoretischen  Fächer  der  Theologie
abgehalten,  dieses  (seit  1838  als  „Predigerseminar“,  seit  1867  unter
der  jetzigen  Bezeichnung  bestehend)  will  die  Studierenden  nach
Absolvierung  ihrer  theoretischen  Studien,  also  frühestens  nach  sechs
Semestern,  in  die  Praxis  des  Berufs  durch  Übungen  im  Predigen,
Unterrichten  usw.  einführen  und  wird  von  dem  Professor  der
praktischen  Theologie  mit  Assistenz  von  Hilfskräften,  die  teilweise
nicht  zur  Universität  gehören,  geleitet.  Das  wissenschaftlich-theologische
Seminar  ist  mit  2000  M.,  das  praktisch-theologische  mit  4266  M.  jährlich
  dotiert.  In  jenem  hat  jeder  I.chrer  das  Recht,  zwei  Stipendien
von  zusammen  80  M.  jedes  Semester  zu  verteilen;  in  diesem  erhalten
alle  qualifizierten  Mitglieder  jedes  Semester  ein  Stipendium.
2.  Die  juristische  Fakultät  hat  7  ordentliche  Professoren  **),
8  außerordentliche.  Es  ist  ein  juristisches  Seminar  vorhanden,  das
aus  dem  früheren,  1875  eingerichteten  privatrechtlichen  Seminar  entstanden
  ist.  Hier  lehren  sämtliche  Ordinarien,  außerdem  ein  außerordentlicher
  Professor,  der  Bibliothekar  des  Seminars  ist.  Die  Dotation
des  Seminars  ist  100  M.  Ein  staatswissenschaftliches  Seminar,  das
früher,  ehe  das  privatrechtliche  zu  einem  allgemeinen  juristischen  ausgestaltet
  war  und  ehe  ein  volkswirtschaftliches  bestand,  eine  größere
Wirksamkeit  hatte,  existiert  noch  fort  mit  einem  Lehrer  des  Staatsrechts
  als  Leiter  und  einer  Dotation  von  300  M.

3.  Die  medizinische  Fakultät  hat  11  ordentliche  Professoren***),
3  etatmäßige,  und  17  nichtetatmäßige  außerordentliche,  16  Privatdozenten.
  Es  bestehen  folgende  Institute:

I.  Die  Anatomie.  Sie  war  im  18.  Jahrhundert  mit  dem  Spital
verbunden,  wurde  1805  in  ein  besonderes  Gebäude  verlegt,
das  dann  aber  auch  alle  naturwissenschaftlichen  Institute  aufnahm.
  1838  wurde  sie  vergrößert.  1846  bis  1848  wurde  ein
neues  Gebäude  für  sie  errichtet,  das  1876  nochmals  umgebaut
  wurde.  Sie  ist  mit  7000  M.  jährlich  dotiert.

2.  Das  physiologische  Institut.  Es  besteht  seit  1845.  1863
wurde  es  in  einen  Neubau  verlegt,  der  auch  die  naturwissen-*)

  Merx,  Hausrath,  Bassermann,  Lemme,  Tröltsch,  Deißınann.
**,  }ekker,  Karlowa,  Schröder,  von  Lilienthal,  Buhl,  Jellinek,  Anschütz.
**,  Amold,  Czerny,  Leber,  Fürbringer,  Erb,  Krapelin,  Vierordt,  Knaufl,  von  Rosthorn,
  Kossel,  Guttlieb.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich,  1,  35