XVII.  Die  Großherzoglich  Badische  Albert-Ludwigs-Universität
  in  Freiburg  i.  B.*)

1.  Geschichtliche  Übersicht.

Freiburg  erinnert  in  .seiner  neuesten  Entwicklung  an  das
Wachstum  amerikanischer  Städte:  im  Sommer  1870  hatte  cs  nur
295  Studenten,  1898  wurde  der  1500.  (zufällig  ein  Amerikaner)  von  der
Stadt  durch  ein  großes  Fest  gefeiert,  im  Sommersemester  1903  war  mit
1962  immatrikulierten  Studenten  das  zweite  Tausend  fast  erreicht.  So
ist  Freiburg  mit  raschen  Sprüngen  im  Sommersemester  an  die  fünfte
Stelle  unter  den  deutschen  Universitäten  gerückt,  es  ist  eine  der
belicbtesten,  wenn  nicht  die  beliebteste,  der  deutschen  Sommeruniversitäten
  geworden.

Aber  über  diesem  jüngsten  wahrhaft  modernen  sprunghaften  Aufschwung
  liegt  bei  Freiburg  doch  zugleich  auch  noch  —  und  das  macht
wohl  neben  der  außerordentlichen  Gunst  der  Lage  den  eigentümlichen
pikanten  Reiz  der  Universität  cbenso  wie  der  Stadt  für  den  modernen
jungen  Menschen  aus  —  der  Duft  einer  alten,  weltberühmten  Vergangenheit.
  Denn  Freiburg  gehört  zu  den  ältesten  deutschen  Universitäten
  und  hat  vor  jenem  Tiefstand  im  Jahre  1870  wiederholt  bessere
Zeiten  geschen:  in  der  ersten  Hlälfte  des  19.  Jahrhunderts  hatte  die
Studentenzahl  ---  damals  allerdings  im  Winter  —  fast  700  erreicht,
und  schon  als  die  Universität  am  Anfıng  des  Jahrhunderts  an
Baden  kam,  hatte  sie  mehr  Studenten  wie  1870,  obwohl  es  der
Universität  damals  —  nach  einem  Beschluß  aus  der  Zeit  —  „nicht
darum  zu  tun  war  viele,  sondern  nur  gute  und  wohlgesittete
Jünglinge  zu  haben“.

*)  Vergl.  Schreiber,  Geschichte  der  Albert-Ludwips-Universität  zu  Freiburg  i.  B.
3  Teile.  Freiburg  1857—60.  Mayer,  Hermann,  Die  Universität  zu  Freiburg  i.  B.
1806  —1852.  Alemannia  1892,  1893,  18%.  Die  Universität  Freiburg  1852—81.

Festschrift  1881.  Bei  der  Sammlung  des  Material»  haben  mich  die  Herren  cand.  cam.
Plamm  und  llelbling  sowie  die  Quästur  der  Universität  in  dankenswerter  Weise  unterstützt.