Die  Großherzogl.  Badische  Albert-Ludwigs-Universilät  in  Freiburg  i.  B.  553

Die  Albert-Ludwigs-Universität  wurde  im  Jahre  1456  von  dem
Erzherzog  Albrecht  von  Österreich  gegründet,  um  —  wie  der  Stifter
selbst  in  einer  Urkunde  sagt  ---  „graben  zu  helfen  den  Brunnen  des
Lebens,  daraus  von  allen  Enden  der  Welt  unversiegbar  geschöpft
werden  möge  erleuchtendes  Wasser  tröstlicher  und  heilsamer  Weisheit
zur  Erlöschung  des  verderblichen  Feuers  menschlicher  Unvernunft
und  Blindheit“,  und  sie  hat  ihre  erste  und  doch  wohl  größte  Blüte  in
der  Zeit  des  Humanismus  erreicht.  Damals  war  sic  über  cin  Jahrhundert
  lang  ein  Brennpunkt  der  hohen  Bildung,  die  in  jener  Zeit  am
Oberrhein  herrschte.  Fs  wirkten  an  ihr  die  Juristen  Odernheim
und  Stürzel  und  vor  allem  der  große  Zasius,  der  größte  deutsche
Jurist  vor  Savigny  und  sein  unmittelbarer  Vorläufer  als  Begründer
der  historischen  Methode  in  der  Jurisprudenz;  in  der  philosophischen
Fakultät  Reisch,  Oraculum  Germaniae  genannt,  der  Verfasser  der
weltberühniten  Margarita  Philosophica,  der  ersten  Enzyklopädie  des
menschlichen  Wissens,  und  der  Naturwissenschaftler  Glareanus;  in
der  theologischen  der  bekannte  Prediger  und  \orreformator  Geiler
von  Kaisersberg,  der  Humanist  Wimpheling,  und  Luthers
Gegner  Eck.

Aber  schon  gegen  Ende  des  106.  Jahrhunderts  nahm  die
Bedeutung  der  Universität  ab,  und  mit  Berufung  der  Jesuiten
durch  Erzherzog  l.copold  im  Jahre  1620,  welche  die  theologischen
und  philosophischen  Lehrstühle  erhielten,  begann  em  Tiefstand,  der
infolge  des  30jährigen  Krieges  und  der  sonstigen  Zeitverhältnisse  bis
in  die  zweite  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  dauerte.  Da  setzte  mit
einer  energischen  Fürsorge  der  österreichischen  Regierung  durch  Berufung
  tüchtiger  Kräfte  ein  neuer  Aufschwung  ein,  und  als  die
Universität  im  Jahre  1805,  nur  zwei  Jahre  nach  Heidelberg,  an  Baden
fiel,  übernahm  der  Kurfürst  später  Großherzog  Karl  Friedrich  alsbald
großsherzig  die  für  das  kleine  Land  in  der  Tat  unverhältnismäßig
große  Aufgabe,  die  beiden  Universitäten  zu  erhalten.

Auf  die  Anregung,  eine  der  beiden  aufzuheben,  soll  er  gesagt
haben:  „Mit  Nichten,  sie  gehören  nicht  unserm  Lande  allein,  sie  gehören
  der  Menschheit  an.  Fern  sei  der  Gedanke,  eine  derselben  aufzuheben,
  wir  wollen  ihrer  sorgsam  pflegen  und  sie  in  Stand  setzen,
Tüchtiges  zu  leisten,  damit  das  Licht  der  Wissenschaft,  der  wahren
Aufklärung  von  ihnen  ausgrchend  sich  fortan  über  Deutschland  verbreiten
  möge.“  Dies  fürstliche  Wort  haben  seine  Nachfolger  auf
dem  badischen  Thron  redlich  eingelöst,  und  nachdem  noch  zweimal,  1817
und  1844,  die  Gefahr  ihrer  Aufhebung  zu  Gunsten  Hleidelbergs  vor-