S54  Die  einzelnen  Universitäten.

übergegangen  war,  konnte  sich  Freiburg  seitdem  auch  in  stets
wachsenden  Maß  der  Förderung  durch  Fürst  und  Volksvertretung
erfreuen.

Die  hervorragendsten  Lehrer,  welche  im  19.  Jahrhundert,  abgeschen
  von  den  Lebenden,  hier  gewirkt  haben,  sind:  in  der  theologischen
  Fakultät  Dereser,  Hug,  Wetzer  (Urheber  des  bekannten
Kirchenlexikons),  v.  Hirscher,  Staudenmayer,  Alban  Stolz  und
Franz  Xaver  Kraus;  in  der  juristischen  die  bekannten  liberalen
Abgeordncten  Duttlinger,  v.  Rotteck  (seit  1817  in  der  juristischen,
vorher  in  der  philosophischen  Fakultät,  der  Verfasser  der  „Weltgeschichte“
  und  mit  Welcker  zusanımen  des  „Staatslexikons“,  als
Politiker  hauptsächlich  verdient  um  die  Aufhebung  des  Zehnten  in
Baden),  und  der  oben  genannte  Welcker,  dem  die  erste  Einführung
der  Preßfreiheit  in  Baden  zu  danken  ist,  andererseits  als  Vertreter
des  Klerikalismus  Buß,  dann  der  Pandcktist  Warnkönig,  der
badische  Staatsmann  ILamey  und  der  jüngst  in  Leipzig  verstorbene
Adolf  Schmidt;  in  der  medizinischen:  Eckert,  Vater  und  Sohn,
Schultze,  Nothnagel,  Kußmaul,  De  Bary  und  der  Chemiker
Baumann;  in  der  philosophischen  der  Dichter  Jacobi,  bis  1817
v.  Rotteck,  Schreiber  (der  Historiker  der  Stadt  und  Universität
Freiburg),  der  Physiker  Müller  (Müller-Bouillet,  der  Verfasser  des
bekannten  Lehrbuchs  der  Physik),  Heinrich  v.  Treitschke  und
die  Nationalökonomen  Helferich,  Knies,  v.  Mangoldt  und
Alphons  Thun.

Von  ihrer  Schwesteruniversität  und  alten  Rivalin  Heidelberg  hat
sich  Freiburg,  seit  es  mit  ihr  zusammen  dem  badischen  Staat  angehört,
  immer  in  doppelter  Bezichung  unterschieden:  einmal  dadurch,
daß  hier  eine  katholische,  dort  eine  protestantische  theologische
Fakultät  war  -—  die  katholischen  Theologen  Hcidelbergs  wurden  1817
nach  Freiburg  versetzt  —,  und  dann  dadurch,  daß  Freiburg  immer
mehr  badische  l.andesuniversität  für  die  Badener  war,  als  das  von
altersher  internationalere  Heidelberg.  So  war  hier  das  Verhältnis  der
Ausländer  zu  den  Inländern  am  Anfang  des  Jahrhunderts  durchschnittlich
  wie  5:7,  in  Freiburg  dagegen  wie  2:7,  1811  sogar  wie
2:10.  Der  jüngste  Aufschwung  hat  dies  freilich  auch  in  Freiburg
sehr  geändert,  ist  der  große  Zuzug  doch  hauptsächlich  aus  Norddeutschland
  und  vom  Rhein  gekommen.  Die  vier  Fakultäten  standen
sich  damals  —  in  den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts  —
ziemlich  gleich,  am  stärksten  aber  waren  die  theologische  und  die
medizinische,  letztere  gerade  im  Gegensatz  zu  Heidelberg,  das  damals