Die  Großherzogl.  Badische  Albert-Ludwigs-Universität  in  Freiburg  i.  B,  555

nur  eine  schr  schwache  medizinische  Fakultät  hatte  und  in  erster
Linie  die  Hohe  Schule  der  Juristen  war,  während  Freiburg  zu  einer
solchen  der  Mediziner  auserkoren  schien.  Damals  prophezeite  ihm
schon  der  berühmt  Phrenolog  Gall  seine  große  Zukunft.  „Es  läßt
sich,  sagte  er  in  seinen  Vorträgen  zu  Freiburg  1807,  auch  nichts
gegen  die  Biederkeit  der  Bewohner  und  gegen  die  unvergleichlich
schöne  und  gesunde  Lage,  gegen  die  Wohlfeilheit  der  I.ebensmittel
  usw.  sagen.  Freiburg  scheint  daher  gecignet  zu  sein,  der
wahre  Sitz  der  Musen  und  der  Kultur  und  vielleicht  eine  der  vorzüglichsten
  Universitäten  in  Deutschland  zu  werden,  besonders  wenn
man  bedenkt,  wie  reichlich  der  Staat  verdienstvolle  Lehrer  zu  belohnen
  und  wie  liberal  seine  Gesinnungen  gegen  das  Fortwirken  des
Geistes  zu  sein  pflegen.“

Glänzender,  als  Gall  es  sich  hätte  träumen  lassen,  ist  diese
Prophezeiung  nach  dem  Niedergang  in  den  er  und  Wer  Jahren
in  Erfüllung  gegangen,  und  bis  1895  stand  dabei  wirklich  die  medizinische
Fakultät  bei  weitem  an  der  Spitze,  durch  den  jüngsten  Aufschwung
aber  ist  sie  auch  hier  durch  die  rechts-  und  staatswissenschaftliche
überflügelt  worden,  und  auch  die  philosophische  ist  —  hauptsächlich
durch  die  Chemiker  —  ihr  nachgerückt.  Eigentümlich  für  Freiburg
ist  der  große  Unterschied  zwischen  Sommer-  und  Wintersemester,
erfreulicherweise  ist  aber  auch  im  Winter  die  Frequenz  im  Steigen.
Sie  betrug  im  Wintersemester  1903/4  :  1331.

2,  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  1%03).

I.  Die  katholisch-theologische  Fakultät  zählt  7  ordentliche
Professoren!),  3  außerordentliche  Professoren  und  einen  Privatdozenten.

Es  bestechen  5  theologische  Seminarien:  ein  kirchenhistorisches,
  cin  archäologisches,  ein  exegetisches,  ein  homiletisches,  ein
kanonistisches.

Es  besteht  ein  Konvikt,  in  dem  sämtliche  badische  Theologie
Studierende  wohnen.

Il.  Die  rechts-  und  staatswissenschaftliche  Fakultät  zählt  3
inaktive  ordentliche  Professoren?),  9  aktive  ordentliche  Professoren?),
einen  außcrordentlichen  Professor  und  einen  Privatdozenten.

l)  Krieg,  Heiner,  Hoberg,  Ehrliard  (nach  Straßburg  berufen),  Rückert,  Braig,  Mayer.

2)  Rive,  Sontag,  Gebhard.

3)  Eisele,  Rumelin,  Rosin,  Rich,  Schmidt,  v.  Rohland,  C.  J.  Fuchs,  v.  Schulzc-Gävemitz,
  Stutz,  Merkel.