Die  Großherzogl.  Badische  Albert-Ludwigs-Universität  i.  Freiburg  i.  B.  561

Gesamtsumme  der  ordentlichen  Ausgaben  in  Mark.

Besoldungen  \Yohnungsgeld-  Für  Verwaltungsund
  Kemune-  ..  .
,  .  zuschüsse  Institute  und  '
Etatsjuhr  rationen  |
für  Lehrer  und  und  sonstige
der  Professoren  .  .
Beamte  Sammlungen  Kosten
und  Dozenten  |
1902  279  560  77176  185  739  205  089
1890  192  360  39  760  129  454  107  197
1878  133191  26  048  53  951  82382  '
1865  71514  .  —_  15585  A.  10223  1.
1850  511%  Al.  —_  13  176  Al.  33241  N.

Es  ist  begreiflich,  dafs  bei  dem  rapiden  Wachstum  der  Universität
  in  den  letzten  Jahrzehnten  nicht  nur  die  vielen  Neubauten
von  Instituten  notwendig  wurden,  die  aus  der  vorliegenden  Übersicht
ersichtlich  sind,  sondern  auch  das  Hauptkollegiengebäude  wenigstens
in  Sommer  immer  weniger  ausreichte,  so  daß  die  frequentiertesten
Vorlesungen  zweimal  im  städtischen  Kaufhaussaal  abgehalten  werden
mußten.  Jetzt  ist  zwar  in  dem  früheren  Bibliotheksgebäude  gegenüber
  der  Universität  provisorisch  ein  prachtvolles  Auditorium  Maximum
geschaffen,  aber  es  werden  bereits  die  Pläne  für  einen  Neubau  ausgearbeitet.
  Die  Mchrzahl  der  jetzt  in  dem  alten  Hause  mit  seinen
schönen  Hof  und  Garten  und  seinen  ruhigen  und  kühlen  Hörsälen
l.esenden  denkt  nur  mit  Bedauern  an  den  in  einer  Reihe  von  Jahren
bevorstehenden  Unzug  in  einen  Neubau,  der  zwar  größer  und
prunkvoller,  aber  wahrscheinlich  weniger  praktisch  und  jedenfalls
schr  viel  weniger  stimmungsvoll  sein  wird.  Der  eigentümliche
romantische  Hauch,  den  Freiburg  heute  noch  bei  seiner  modern:n
Entwicklung  hat,  wird  dadurch  jedenfalls  verloren  gehen.

Möge  aber  auch  bei  weiterem  Aufschwung  die  Qualität  mit  der
Quantität  immer  Schritt  halten,  und  möge  auch  in  einem  neucn
Hause  immer  von  der  Freiburger  Universität  gelten,  was  ihr  letzter
österreichischer  Rektor  Erzherzog  Karl  ihr  bei  ihrem  Übergang  an
Baden  nachgerühmt  hat,  daß  sie  sich  immer  ausgezeichnet  habe
„durch  gründliche  Gelehrsamkeit  ebenso  als  durch  kluge  Mäßigung
und  sich  nie  verleugnende  Konsequenz  bei  allen  Wechseln  der
Opinionen  und  der  Interessen“,

Carl  Johannes  Fuchs.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  1.  35