Die  Großherzogl.  Hessische  Ludwigs-Universität  zu  Gießen.  567

ist  Hugo  von  Ritgen,  der  18  Professor  wurde  und  1889  in  Gießen
starb,  der  bekannte  Wiederhersteller  der  Wartburg,  zu  erwähnen.
Der  bei  weitem  berühmteste  I.chrer  der  Ludoviciana  war  aber
Justus  von  Liebig.  Mit  seinem  Auftreten  setzte  eine  neue
Epoche  der  Hochschule  ein,  und  sein  chemisches  I.aboratoriun,  aus
dem  zahlreiche  Chemiker  ersten  Ranges,  wic  Fresenius  (Wiesbaden),
Henneberg  (Göttingen,  A.  W.  Hofmann  (Berlin,  Kekul&amp;  (Bonn),
Volhard  (ITalle),  H.  Kopp  (Heidelberg)  und  Will,  hervorgegangen  sind,
erlangte  einen  Weltruf  und  zog  Studenten  aus  allen  Kulturstaaten,
namentlich  auch  aus  England,  Frankreich  und  Amerika,  heran.
Liebig  lehrte  in  Gießen  von  1824—52  und  siedelte  dann  nach  München
über.  Scine  Schüler  Kopp  und  Will  haben  ebenfalls  in  Gießen  die
Chenie  (ersterer  namentlich  die  physikalische  Seite)  erfolgreich
vertreten.

2.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  I).

Die  Universität  Gicßen  hat  von  jeher  vier  Fakultäten  gehabt.
Vorübergehend  --  von  1777-85  —  bestand  eine  besondere
ökonomische  Fakultät  und  von  1830—51  cine  katholisch-theologische
Fakultät,  die  dann  aufgehoben  und  durch  das  bischöfliche  Klerikalseminar
  in  Mainz  ersetzt  wurde.

Der  land-  und  forstwirtschaftliche  Unterricht  ist  mit  der  philosophischen
  Fakultät  verbunden,  der  veterinär-medizinische  in  Form
einer  besonderen  Abteilung  mit  der  medizinischen  Fakultät.

Die  evangelisch-theologische  Fakultät  zählt  gegenwärtig
5  ordentliche  Professoren*),  1  außerordentlichen  Professor,  1  Privatdozenten
  und  I  Repetenten.  Es  besteht  ein  theologisches  Seminar
mit  fünf  Unterabteilungen  und  ein  alttestamentliches  Proseminar,
ersteres  seit  1867,  letzteres  seit  1880.  Die  jährlichen  etatsmäßigen
Kosten  der  Seminare  betragen  rund  WW  Mark.  Für  die  Leitung  der
verschiedenen  Abteilungen  des  theologischen  Seminars  erhält  jeder
der  fünf  Abteilungsdirektoren  eine  jährliche  Vergütung  von  130  Mark
und  der  Leiter  des  alttestamentlichen  Proscminars  eine  solche  von
S00  Mark.  Finen  Universitätsgottesdienst  gibt  cs  ebensowenig  wie  ein
Stift  oder  Konvikt.

Die  juristische  Fakultät  hat  5  Ordinarien**),  1  ordentlichen
Honorarprofessor  (Kriminalist),  1  außerordentlichen  Professor  und

*)  Stade,  Kattenbusch  (nach  Göttingen  berufen),  Krüger,  Baldensperger,  Drews.
»*,  A.  B.  Schmidt,  L.eist,  Biermann,  Mittermaier,  van  Calker.