XIX.  Die  Großherzoglich  und  Herzoglich  Sächsische
Gesamt-Universität  Jena.

1.  Geschichtliche  Übersicht.

Nach  der  Schlacht  von  Mühlberg  und  der  Kapitulation  von
Wittenberg  stiftete  alsbald  im  Jahre  1548  der  gefangene  Kurfürst
Johann  Friedrich  der  Großmütige  als  Ersatz  für  die  verlorene  Wittenberger
  Universität  in  Jena  ein  akademisches  Gymnasium,  das  zunächst
nur  auf  die  pädagogischen  und  kirchlichen  Bedürfnisse  der  dem
Fürsten  verbliebenen  Lande  berechnet  war.  Die  Eröffnung  der
Anstalt  erfolgte  am  19.  März  jenes  Jahres.  Erst  unter  dem  Nachfolger,
  dem  Herzog  Johann  Friedrich  dem  Mittleren,  wurde  jenes
Gymnasium  kraft  Kaiserlichen  Privilegs  vom  15.  August  1557  zur
vollberechtigten  Universität  erhoben  und  der  neue  Zustand  am
2.  Februar  1558  inauguriert.  Die  Universität  ist  zurzeit  im  Besitz
und  in  der  Verwaltung  der  vier  Erhalterstaaten,  des  Großherzogtuns
Sachsen-Weimar  und  der  drei  sächsischen  Hlerzogtümer.

In  den  ersten  beiden  Jahrhunderten  war  die  Stellung  und  Bedeutung  der  Universität
  durchaus  durch  die  Theologie  bestimmt.  Von  ihrer  Gründung  an  entwickelte  sie
sich  als  der  Sitz  des  strengen  Luthertums  im  Gegensatz  zur  Melanchthonschen  Richtung.
Im  17.  Jahrhundert  wurde  auf  ihr  die  Orthodoxie  als  System  (Gerhard)  ausgebildet,
während  zu  Anfang  des  18.  Juhrhunderts  sie  die  Vermittlung  zwischen  Orthodoxie  und
Pielismus  übernahm,  um  im  18.  Jahrhundert  sich  der  historisch-kritischen  Richtung  und
dem  Rationalismus  zuzuwenden.  Im  18.  Jahrhundert  entwickelte  sich  zugleich  die
Philosophie  zu  hoher  Blüte.  Nachdem  erst  spät  und  mühsım  —  erst  seit  etwa  1740  —
unter  Zurückdrängung  der  bisher  betriebenen  Aristotelischen  Studien,  die  die  moderne
wissenschaftliche  Entwicklung  emleitende  neue  Philosophie  Eingang  gefunden  hatte,
erreichte  die  jenaische  Philosophie  ihren  Gipfelpunkt  durch  die  rasche  Aufnahme  und
energische  Weiterbildung  der  Ideen  Kunts.  Nachdem  schon  Reinhold  lebhafı  dafür  eingetreten
  war,  wurde  Jena  von  1794  bis  1806  durch  Fichte,  Schelling  und  Iiegel  die
Hauptstätte  der  deutschen  Spekulation.

Als  die  namhaftesten  l.chrer  im  18.  und  19.  Jahrhundert  könnten  (unter  Ausschluß
der  Lebenden)  genannt  werden: