XX.  Die  Großherzoglich  Mecklenburg-Schwerinsche
Universität  Rostock.

I.  Geschichtliche  Übersicht.

Die  ersten  Schritte  zur  Gründung  der  Universität  Rostock  gehen
bis  ins  Jahr  1418  zurück;  am  8.  September  dieses  Jahres  verwenden
sich  die  Herzöge  Johann  IV.  und  Albrecht  V.  von  Mecklenburg  in
Gemeinschaft  mit  dem  Bischof  Heinrich  IH.  von  Schwerin  bei  Papst
Martin  V.  wegen  der  Errichtung  einer  Universität  in  der  Stadt  Rostock,
zu  deren  Ausstattung  und  Erhaltung  der  Rostocker  Rat  die  nötigen
Mittel,  bestehend  in  der  Überweisung  zweier  Kollegiengebäude  und
einer  jährlichen  Rente  von  800  Gulden,  zu  gewähren  sich  verpflichtet
hatte.  Die  päpstliche  Stiftungsurkunde  ist  ausgefertigt  am  13.  Februar  1419,
die  feierliche  Eröffnung  fand  statt  am  12.  November  desselben  Jahres.
Rostock  ist  somit  dem  Alter  nach  die  dritte  unter  den  noch  blühenden
Hochschulen  des  Deutschen  Reiches  und  kann  am  12.  November  1919
auf  ein  halbes  Jahrtausend  ihrer  Wirksamkeit  zurückblicken.  Sowohl
nach  der  überwiegenden  Zahl  der  hierher  übersiedelnden  Lehrer,  wie
nach  der  Fassung  der  um  1432  endgültig  festgestellten  Statuten  ist
sie  als  eine  Tochter  der  altberühniten  Erfurter  Universität  anzusehen.

Als  die  erste  Universitat  Norddeutschlands  und  zugleich  als  die  erste  des  ‚ganzen
nordeuropäischen  Kontinents  war  sie  bis  zu  der  rasch  nacheinander  erfolgenden  Gründung
der  Universitäten  Upsala  (1477)  und  Kopenhagen  (1479)  —  die  Tochteruniversität
Greifswald,  begründet  1456,  kam  bis  dahin  als  Wettbewerberin  wohl  nur  für  das  Herzogtum
Ponımern  ernstlich  in  Betracht  —  die  bevorzugteste  Bildungsstätte  der  an  Nord-  und
Ostsee  gelegenen  Landschaften  und  Keiche  von  den  Niederlanden  an  bis  zum  Baltischen
Ordensstaat;  schon  die  628  Immarrikulierten  der  ersten  zwei  Jahre  umfassen  das  ganze
Gebiet  von  Sluis  und  Stavoren  bis  Ösel,  Reval  und  Viborg.  Am  Ende  ihres  ersten
Jahrhunderts,  1519,  betrug  die  Zahl  der  Immatrikulationen  15938,  obwohl  es  auch  an
Widerwärtigkeiten  aller  Art  nicht  gefehlt  hat.  Eine  theologische  Fakultät  erhielt  die
Universität  erst  1432,  als  die  Stadt  infolge  bürgerlicher  Streitigkeiten  schon  in  der  Reichsacht
sich  befand,  der  dann  bald  die  Oberacht  und  der  Kirchenbann  folgten;  im  März  1437
mußte  die  Universität  auf  Befehl  des  Baseler  Konzils  die  gebannte  Stadt  verlassen  und