Sy  Die  einzelnen  Universitäten.

siedelte  nach  Greifswald  über,  wo  sie  etwas  über  zwei  Jahre  verblieb,  aber  ersı  1443
konnte  sie,  und  zwar  nur  nach  schweren  Opfern,  ihre  Tütigkeit  in  Rostock  olnziell  wieder
aufnehmen.  Noch  ein  zweites  Mal,  in  den  fahren  1487  und  1488,  sah  sich  die  Universität
infolge  einer  Fehde  zwischen  den  Landesherren  und  der  Stadt  Rostock  genötigt,  die  Stadt
zu  räumen  und  in  Lübeck  Schutz  zu  suchen.

Um  diese  Zeit,  zuerst  im  Jahre  1480,  beginnen  «die  IWinmanisten  «die  Universität
Rostock  in  ihre  Kreise  zu  ziehen;  Riedner  und  Celtes  scheinen  nur  vorübergehend  hier,
bezüglich,  während  des  Exils,  in  lübeck  geweilt  zu  haben.  Diesto  bekannter  sind  dafür
llermann  von  dem  Busche,  der  einmal,  1493,  als  Studierender,  dann  wieder  um  1503!’04
als  l.chrender  sich  hier  aufhielt,  und  Ulrich  von  Ilutten,  zu  denen  noch  che  in  Kostock
domizilterten  Ngbert  Harlem,  Nikolaus  Marschalk,  Conrad  Pegel  u.  a.,  hinzutreten.
Diesen  gegenüber  machte  sich  eine  eigenartige  und,  soweit  bekannt,  einzig  dastehende
Gegenströnung  gegen  die  humanistische  Richtung  bemerkbar,  die  hervorgehoben  zu  werden
verdient:  die  Einführung  der  deutschen,  und  zwar  niederdeutschen  Muttersprache  in  den
Universitäts-  und  höheren  Schulunterricht,  wie  sie  Magister  Heverling  an  der  Universität
und  Magister  Dorgelo  an  der  Marienschule  übten.

Schwere  Zeiten  kamen  über  die  Universität  inlulge  der  Reformation;  1517  fanden
noch  200  Immatrikulationen  statt,  1527  nur  10.  Die  Verkündigung  der  evangelischen  Lehre
ergriff  mächtig  die  Gemüter  und  von  Rostock  gingen  als  Relormatoren  weit  in»  Lane
Silvester  Tegetmeier  nach  Riga,  Valentin  Korte  nach  Lübeck,  Ilerbord  von  Holle  nach
l.üneburg,  Hans  Taußen  nach  Dänemark,  Johannes  Vischbeke  ins  Harlingerland,  Stephan
Kempe  nach  Hamburg,  Yrnedrich  Ilübenthal  nach  Göttingen;  Nikolaus  Deeius,  der  Dichter
des  Liedes  „Allein  Gott  in  der  Höh’  sei  KEhr“,  studierte  von  1S16  an  in  Rostock,  und
Joachim  Slüter  entlammte  die  Ilerzen  seiner  andächtigen  Zuhörer  —  aber  die  Universität
und  das  Domkapitel  hielten  fest  an  Rom  und  alle  Reformationsversuche  von  seiten  der
Landesherren  und  des  städtischen  Rates  hatten  nicht  eher  Erfolg,  als  bis  die  letzten
Anhänger  der  alten  Richtung  verstorben  oder  von  den  Jahren  gebeugt  zurückgetreten
wiren.  Nun  erst  war  die  Bahn  ganz  frei,  aber  leider  konnten  sich  die  Landesherren  und
das  von  den  übrigen  Hansestücdten  grestützte  Stadiregiment  nicht  friedlich  einigen  und:
erst  1563  wurden  die  Rechte  und  Pflichten  beider  Teile  durch  die  sogenannte  Formula
Concordiae  festgesetzt.  Die  landesherren  und  der  Rostocker  Rat  stellen  jeder  neun
Profes-oren,  die  zusammen  das  Konzil  bilden.  Die  Universitätsämter  werden  vom  städtischen
und  vom  landesherrlichen  Kollegium  abwech-elnd  geführt,  sodaß  im  Winter-Halbjahr  der
Rektor  und  die  Dekane  vom  rätlichen  Kollegium  gestellt  werden,  im  Sommer-Halbjahr  vom
herzoglichen,  und  dies  im  ganzen  gut  funktionierende  Arrangement  blieb  bis  zum  Jahre
1760  in  Krafl.  Mehr  und  mehr  erblühte  die  nun  auf  feste  Rechtsgrundlagen  gestellte
Universität;  Persönlichkeiten  wie  Arnold  Burenius,  Johannes  Brunkhorst  aus  Nimwegen,
Adam  Vhraciger,  Johannes  Drakonites,  Laurentius  Kirchhoff,  David  Chytmeus,  T.ukas
Bacmeister,  Simon  Pauli,  Johannes  Caselins,  HKilhard  l.ubinus,  Joachim  Jnngius  sind  mr
eine  Auslese  unter  der  Schar  hervorragender  Gelehrten,  welche  der  Universität  etwa  von
1545  an  bis  1625  ihren  Glanz  verlichen:  wicht  unerwähnt  ınag  bleiben,  daß  die  Rostocker
Universitat  al»  erste  in  Deutschland  schon  1568  einen  botanischen  Garten  erhielt,  daß
“Tycho  Brahe  mehrere  Jahre  hier  studierte  und  daß  gerade  in  dieser  Periode  auch  Schotten
in  erheblicher  Zahl  die  Universitan  als  Lehrende  und  als  Lernende  frequentierten.

Nach  der  Schlacht  bei  Lutter  am  Barenberge,  25.  April  1626,  wäalzten  sich  die
geschlagenen  Danen  durch  das  bisher  neutral  gebliebene  Mecklenburg,  ihnen  nach  die
Sieger,  und  am  19.  Januar  1628  wurde  Wallenstein  zum  Ilerm  des  Landes  eingesetzt.
Obwohl  der  Friedländer  der  Universität  seinen  besonderen  Schutz  und  seine  besondere
Fürsorge  angedeihen  ließ  —  so  wollte  er  seinen  Hofastronomen,  den  berühmten  Keppler,
als  Professor  in  Rostock  einsetzen,  was  jedoch  der  Umschwung  der  Dinge  und  Kepplers
Tod  vereitelten  -  ging  doch  infolge  der  Kriegsereignisse  die  Frequenz  sehr  erheblich
zurück,  bis  nach  Wallensteins  Fall  und  nach  der  Wiederkehr  der  vertriebenen  Landes-