XXI.  Die  Kaiser  Wilhelms-Universität  zu  Straßburg.

I.  Geschichtliche  Übersicht.

Die  alte  Straßburger  Universität  ist  in  ihren  ersten  Anfängen
aus  der  humanistischen  Bewegung  um  die  Wende  des  15.  und  16.  Jahrhunderts
  hervorgegangen.  Am  1.  Juni  1566  als  Akademie  und  am
5.  Februar  1621  als  Universität  begründet,  hat  sie  sich  als  rein  reichsstädtische,
  deutsche  und  protestantische  Lehranstalt  bis  zu  den  Stürmen
der  Revolution  erhalten.  Sie  hat  es  im  17.  Jahrhundert,  in  der  Zeit
also,  da  bei  den  anderen  Universitäten  im  allgemeinen  an  die  Stelle
der  internationalen  Freizügigkeit  des  Mittelalters  eine  territoriale  Beschränkung
  des  Universitätsgebietes  getreten  war,  zu  einer  wahrhaft
internationalen  Bedeutung  gebracht,  indem  zu  ihr  ganz  Europa,  soweit
die  Reformation  festen  Fuß  gefaßt  hatte,  seine  Studenten  entsandte.
Im  18.  Jahrhundert  mehr  zu  einer  Landesuniversität  für  Elsats  und
Lothringen  geworden,  erfreute  sie  sich  doch  noch  eines  recht  starken
Zuspruches  aus  Deutschland  und  dem  Auslande;  insbesondere  haben
sich  in  den  letzten  Jahrzehnten  des  18.  Jahrhunderts  die  heranwachsenden
  Diplomaten  von  ganz  Europa  um  Professor  Koch  versammelt,
  der  aus  der  Straßburger  Stadtbibliothek  auf  den  neuerrichteten
  Lehrstuhl  der  Staatswissenschaften  berufen  worden  war.
Kein  geringerer  als  Johann  Wolfgang  Goethe  hat  zu  ihren  Schülern
gehört,  der  am  18.  April  1771  sich  bei  ihr  einschrieb,  und  den  Koch
und  Oberlin  für  Geschichte,  Staatsrecht  und  Redekunst  zu  erwerben
dachten.  Durch  den  Konventsbeschluß  vom  15.  September  1793
wurde  sie  mit  den  übrigen  Universitäten  Frankreichs  aufgehoben.
Straßburg  erhielt  dann  bei  der  neuen  Einrichtung  des  französischen
Unterrichtswesens  die  einzige  Akademie,  die  mit  5  Fakultäten,  einer
protestantisch-theologischen,  juristischen,  medizinischen,  philosophischen