KR  Sonstige  öflentliche  akademische  Anstalten.

nasium  zunächst  mit  Exjesuiten,  dann  mit  Säkularpriestern  als  l.ehrern,
das  Priesterseminar  mit  einem  Weltgeistlichen  als  Regens  noch  einige
Zeit  zwar  in  den  alten  l’ormen,  aber  ohne  das  alte  I.eben  ein  künmerliches
  Dascin  führten.  Viele  jungen  Männer  Ermlands  suchten  deshalb
ihre  theologische  Ausbildung  in  den  Klöstern  und  Schulen  des  Auslandes,
  besonders  in  Polen  und  Ron.  Die  Braunsbergser  Schulzustände
erwiesen  sich  schr  bald,  zumal  nach  den  Verwüstungen  des  Krieges
von  1806  und  1807,  als  unhaltbar.

Als  dann  nach  dem  Tilsiter  Frieden  immermehr  der  Gedanke
heranreifte,  daß  Preufsen,  was  es  an  materiellem  Besitz  verloren  hatte,
auf  dem  Gebiete  des  Geistes  wieder  einholen  und  auf  diesem  Wege
eine  Regeneration  des  Volkes  und  Staates  herbeiführen  müsse,  wurde
auch  eine  Restauration  der  mehr  und  michr  absterbenden  Braunsbergser
höheren  L.ehranstalten  ins  Auge  gefaßt.  So  erfolgte  im  Jahre  1811
die  Umgestaltung  des  bisherigen  akademischen  Gymnasiums  zu  den
heutigen  Gymnasium,  an  welches  der  unter  den  Anregungen  und
Einflüssen  des  sog.  Münsterschen  Kreises  aufgewachsene  trefliche
westfälische  Gelehrte  und  Schulmann  Joh.  Heimrich  Schmülling  als
erster  Direktor  berufen  wurde.  Auf  einen  philosophischen  und  theologischen
  Unterricht,  der  doch  an  dem  akademischen  Gymnasium
noch  bestanden  hatte,  wurde  dabei  keine  Rücksicht  genommen,  obschon
  die  Frasse  nahe  licgen  mußte,  wo  denn  fortan  die  angehenden
ermländischen  Geistlichen  ihre  theolorrische  Vorbildung  erhalten  sollten.
Da  die  Regierung  den  Besuch  auswärtiger  Bildungsanstalten  nicht
gem  sah,  faßte  sie  den  Gedanken,  die  ermländischen  Kandidaten  der
Theologie  an  die  Universität  Breslau  zu  schicken,  während  hinwicderum
  der  Fürstbischof,  Prinz  Joseph  von  Hohenzollern-Hechingen,  die
bisherigen  Professoren  der  Theologie  und  Philosophie  so  lange  als
möglich  in  Braunsberg  zu  halten  suchte,  in  der  Hoffnung,  dats  sich
aus  den  noch  vorhandenen  Trümmern  der  cinst  blühenden  philosophischen
  und  theologischen  Studien  wieder  eine  neue  und  lebensfiliige
  Anstalt  erheben  werde.  Die  Regierung  ging  auf  seinen  Plan
nicht  ein,  und  so  fiel  dem  damaligen  Regens  des  Priesterseminars  allein
die  unerfüllbare  Aufgabe  zu,  die  Aspiranten  des  geistlichen  Standes
theoretisch  und  praktisch  für  ihren  künftigen  Beruf  vorzubereiten.

Der  edle,  ideal  gesinnte  Fürstbischof,  der  geistige  Regenerator
Ermlands,  war  indes  unablässig  tätig,  seiner  Diözese  wieder  zu  einer
philosophisch-theologischen  L.chranstalt  zu  verhelfen,  und  er  fand  Verständnis
  und  Unterstützung  bei  gleich  huchsinnigen,  für  das  Unterrichtswesen
  begeisterten  und  dabei  cinflußreichen  Männern  seiner