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Die  katholisch  gischen  L.yzeen.  (09

nächsten  Umgebung  wie  des  weiteren  Vaterlandes:  Direktor  Schmülling
und  Kommerzienrat  OÖcstreich  in  Braunsberg,  Staatsrat  Heinrich
Schmedding  in  Berlin,  Konsistorialrat  Ludwig  Nicolovius  in  Königsberg,
  seit  1809  Staatsrat  in  Berlin.  Die  beiden  letzteren  vertraten
die  Idee,  die  ermländischen  Studierenden  entweder  an  die  Universität
Breslau  zu  schicken,  oder  aber  nach  Königsberg,  wo  man  eine  Art
katholisch-theologischer  Fakultät  zu  gründen  gedachte,  allerdings  mit
nur  einem  oder  zwei  Professoren,  verbunden  mit  einem  Konvikt,  wofür
  der  Kultusminister  von  Schuckmann  noch  im  Jahre  1815  die  Gebäude
  des  chemaligen  Albertinum  bestimmen  wollte.  Der  Fürstbischof
  trat  aber  entschieden  für  Braunsberg  ein;  er  salı  in  dem  akademischen
  Leben  eine  „Gefahr  sittlicher  Verbildung“,  ohne  im  übrigen
den  großen  Nutzen  des  Universitätsstudiums  für  die  Theologen  irgendwie
  zu  verkennen.

Nunmehr  faßte  Kultusminister  von  Schuckmann,  beraten  durch
den  mit  den  preussischen  Verhältnissen  gründlich  vertrauten  Staatsrat
Nicolovius,  den  Gedanken,  für  Westpreußen  und  Ermland  eine  gemeinsame
  höhere  I.chranstalt  für  katholische  Theologie-Studierende  ins
Leben  zu  rufen  (1811),  was  dem  Fürstbischof  natürlich  nur  angenchm
sein  konnte.

Nach  langem  Hin-  und  Herschwanken  entschied  man  sich  in
Berlin  endlich  für  Braunsberg  und  zwar  nicht  für  cine  „Abrichtungsanstalt,
  aus  zwei  theologischen  Vorlesern  bestehend“,  sondern  für  eine
„gut  ausgestattete  theologische  und  philosophische  Fakultät,
auf  die  Bedürfnisse  der  Provinzen  Westpreußen  und  des  nordöstlichen
Anteils  von  Posen  mitberechnet“.  Obschon  die  Westpreußen  widerstrebten,
  proponierte  ein  Immediatbericht  des  Ministers  an  den  König
eine  philosophisch-theologische  Lehranstalt  für  \Westpreußen  und
Ermiland  in  Braunsberg,  und  am  19.  Mai  1817  erfolgte  ein  dahin  lautender
königlicher  Beschluß  mit  der  Anweisung  von  6000  Talern  aus  dem
Neuzeller  Säkularisationsfonds,  genau  ein  Jahr  später  die  königliche
Kabinetsorder,  welche  jenen  Beschluß  ratifizierte.e  Bald  trafen  auch
drei  Professoren  der  Theologie  ein,  lauter  Westfalen,  von  Schmedding
unter  Beirat  der  Münsterer  Professoren  ausgewählt:  Achterfeld,  Busse
und  Neuhaus,  welche  die  exegetische,  historische,  systematische  und
Pastoraltheologie  dozieren  sollten.  Sie  konnten  erst  im  November
vor  wenigen  Zuhörern  ihre  Vorlesungen  eröffnen.  Nochmals  wurden
jetzt  von  verschiedenen  Seiten  Versuche  gemacht,  die  junge  Pflanzung
aufzuheben  und  dafür  in  Breslau  oder  Königsberg  ein  Äquivalent  zu
schaffen,  bis  endlich  eine  Ministerialverfügung  vom  1.  September  1821

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  1,  39