Die  katholisch-theologischen  Lyzeen.  61

Die  defnitive  Organisation  des  Lyzeums  erfolgte  erst  durch  das
königliche  Statut  vom  24.  Oktober  1843,  denı  Kollegium  durch  den
scit  1839  als  Kurator  zuständigen  Oberpräsidenten  publiziert  und  in
Kraft  gesetzt  im  Jahre  1845.  Es  stimmt  in  wesentlichen  mit  den
Statuten  für  die  theologische  Fakultät  in  Bonn  und  die  Akademie
Münster  überein;  nur  soll  das  Rektorat  erst  alle  drei  Jahre  wechseln.
„Die  zu  Braunsberg“,  heißt  es  in  5  2,  „bestchende  höhere  Lehranstalt,
  welche  von  ihrem  ursprünglichen  Stifter,  dem  ermländischen
Bischof  und  Kardinal  Hosius,  den  Namen  Lyzeum  Hosianum  führt,
ist  dazu  bestimnit,  die  wissenschaftliche  und  sittlich-religiöse  Ausbildung
  denjenigen  jungen  Männer,  welche  sich  dem  geistlichen
Stande  der  katholischen  Kirche  Unserer  Lande  widmen  wollen,  zu
fördern.  Sie  erstreckt  ihren  Wirkungskreis  zunächst  auf  den  Sprengel
der  bischöflichen  Diözese  von  Ermland,  steht  jedoch  auch  den  Aspiranten
  des  katholisch-geistlichen  Standes  aus  den  übrigen  Teilen  der
Provinz  Preufsen  vorzugsweise  zur  Benutzung  offen.“

Auf  Grund  dieses  Statuts  stehen  die  Professoren  des  I.yzeuns
in  allem,  in  Rang,  Name,  Quieszierung  u.  dergl.  denen  der  preußischen
Hochschulen  gleich,  was  zuletzt  noch  bei  der  allgemeinen  Gehaltsregulierung
  von  1897  und  auch  durch  ein  Ministerialreskript  vom
7.  September  1898  anerkannt  wurde.

Auch  nach  Erlaß  des  Statuts  ist  seitens  des  Kollegiums  unter
schr  dankenswertem  Entgegenkommen  der  Unterrichtsverwaltung  an
dem  weiteren  inneren  Ausbau  «les  Lyzeums  eifrig  gearbeitet  worden.
Im  Jahre  1864  wurde  eine  eigene  Professur  für  Moraltheologie
gegründet,  sodaß  seitdem  die  theologische  Fakultät,  wenn  die  Pastoraltheologie
  durch  den  Regens  des  Priesterseminars  ordnungsmäßig
besetzt  ist,  fünf,  die  philosophische  vier  Ordinariate  zählt.  Daneben
  pflegen  immer  noch  einige,  zurzeit  drei,  Privatdozenten  tätig
zu  sein.  Zur  theologischen  Fakultät  gehört  zur  Zeit  auch  cin  ordentlicher
  Honorarprofessor  und  zur  philosophischen  ein  I.cktor  der  polnischen
  Sprache.

Die  Bibliothek  besteht  erst  seit  1820.  Damals  wurden  auf
einer  Versteigerung  zu  Greifswald  Bücher  für  das  Lyzeum  erstanden.
Dazu  kamen  die  Restbestände  aus  dem  ehemaligen  Jesuitenkollegium,
Werke  aus  den  Bibliotheken  der  aufgehobenen  Klöster  Wartenburg
(1000  Bände),  Oliva,  Graudenz,  Jacobsdorf  u.  a.  Inı  Jahre  1822  wurde
ein  besonderer  Fonds  von  50  Talern  ausgeworfen,  welcher  sich  im
Laufe  der  Zeit  bis  auf  jährlich  1800  M.  gesteigert  hat.  Zur  Ausfüllungs
  fühlbarer  Lücken  wurden  wiederholt  außerordentliche  Zuschüsse

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