Die  Kaiser  Wilhelms-Akademie  für  das  militärärztliche  Bildungswesen.  65

Personals  arbeitete  der  Generalchirurgus  Johann  Görcke  in  den  Jahren

1786—  1795  —  zum  Teil  im  Anschluß  an  das  Vorbild  der  medizinischchirurgischen
  Josephs-Akademic  in  Wien  -—  den  Plan  der  „Pepiniere“

aus,  die  am  2.  August  1795  durch  Kgl.  Kabinctsorder  ins  L.cben  trat;
unter  Benutzung  dreier  älteren  Stiftungen,  des  Theatrum  anatomicum
(vom  Jahre  1713),  des  Collegium  medico  -  chirurgicum  (vom  Jahre
1724}  und  der  Charite  (vom  Jahre  1726)  faßte  die  Anstalt  in  ciner
für  die  damalige  Zeit  völlig  neuen  und  bahnbrechenden  Weise  die
Medizin  und  die  Chirurgie  in  einem  gemeinsamen  Ausbildungsplan
zusammen;  der  Unterricht  erstreckte  sich  bis  zum  Jahre  1845  neben
den  Berufsfächern  auch  auf  die  sogenannten  Hilfswissenschaften
(Geschichte,  Geographie,  Mathematik,  Philosophie)  und  die  Sprachwissenschaften.
  Durch  die  Unglücksjahre  nach  1806  in  ihrem  Bestande
öfters  bedroht,  lief  die  Anstalt  Gefahr,  infolge  der  Begründung  der
Berliner  Universität  im  Jahre  1810  in  Fortfall  zu  kommen;  doch
führte  schliesslich  vielmehr  Görckes  tatkräftig  geführter  Hinweis  darauf,
daß  die  Scheidung  zwischen  Militär-  und  Zivilärzten,  wenn  auch  sicher
nicht  in  der  wissenschaftlichen  Ausbildung,  so  doch  in  der  Erziehung
empfehlenswert  sei,  im  Jahre  IB11  zu  der  Neugründung  ciner  medizinisch-chirurgischen
  Akademie  für  das  Militär  neben  der  weiter  fortbestehenden
  Pepiniere.  Im  Jahre  1818  erhielt  der  neue  Teil  der  Anstalt
den  Namen  Friedrich  Wilhelms-Institut,  im  Ilerbst  1824  bezog  die  Pepiniere
  den  umfangreichen  Neubau  in  der  Friedrichstraße,  den  sie  noch
heute  bewohnt;  nach  etwa  30  Jahren  eifriger  Arbeit  an  dem  inneren  Ausbau
  der  engverbundenen  Institute,  der  u.a.  der  Forderung  der  Gymnasialreife
  iseit  1825  bezw.  18521,  der  Einführungr  des  tentamen  philosophicum
und  der  Ausdehnung  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichtes  galt,
erfolgte  im  Jahre  1852  die  wissenschaftliche  Gleichstellung  der  Anstalt
mit  der  Universität.  Die  weitere  Entwicklung  brachte  noch  eime

gestellt.  Berlin  1896.  ES.  Mittler  &amp;  Sohn.  --  Erinnerungsbhitter  zur  100jährigen
Stiftungsfeier  des  medizinisch-chirurgischen  Friedrich-Wilhelms-Instituts.  Den  Festteilnehmern
  gewidmet.  Mit  2  Tafeln  in  Buntdruck.  Kbenda  1895  (Inhalt:  Schjerning,
Gwdenktage  uus  der  Geschichte  des  Königl.  Preuß.  Sanitätskorps;  Mehlhausen,  Vor
50  Jahren;  Hecker,  Aus  dem  Leben  und  Treiben  der  Studierenden  des  Knedrich-Wilhelms-Instituts
  in  den  70er  Jahren;  Deutsch-Brecht,  Beitrag  zur  Geschichte  der  Unifonnierung
der  preußischen  Militarärzte).  —  P°.  Sperling,  Die  Ausbildung  der  Militärärzte  im  Deutschen
Reiche  (Sonderabstruck  aus  Klinisches  Jahrbuch  VW.  Berlin  1894.  J.  Springer).  —  Der
alljahrlich  gelegentlich  des  Stftungsfestes  der  Akademie  (2.  Dezember)  vom  Subdirektor
zu  erstattende  Jahresbericht  wird  nicht  veröffentlicht.  Für  die  vorliegenden  Mitteilungen
hatte  die  Direktion  der  Akademie  die  Güte,  dem  Verfasser  in  entgegenkommendster
Weise  Material  zur  Verfügung  zu  stellen,  wofür  der  letztere  nicht  verfehlt,  seinen  ergebensten
  Dank  auch  hier  auszusprechen.