616  Sonstige  öflentliche  akademische  Anstalten.

ganze  Reihe  anderer  organisatorischer  Änderungen,  unter  denen  die
Einführung  besonderer  Vorlesungen  über  Kriegschirurgie  und  der
militärärztlichen  Dienstinstruktion  einerseits  sowie  die  im  Jahre  18733
erfolgte  Einführung  des  Militärdiensthalbjahres  andererseits  hier  wenannt
  sein  mag.  Im  Jahre  1895  erhielt  die  nunmehr  zu  einer  Einheit
zusammengrcfaßte  Anstalt  aus  Anlaß  des  hundertjährigen  Bestehens
den  Namen  „Kaiser  Wilhelms-Akademie“.  Ihre  Bestimmung  zcht
nach  der  jetzt  geltenden  Formulierung  dahin,  „sölche  jungen  Leute  zu
Sanitätsofhzieren  auszubilden,  welche  durch  ihre  Befähigung  und
sonstige  Eigenschaften  vorzugsweise  berufen  erscheinen,  allseitig  durchgebildete
  Ärzte  von  einer  möglichst  hohen  wissenschaftlichen  wie
technischen  Leistungsfähigkeit  zu  werden.  Ihnen  dürfen  auch  diejenigen
  Figenschaften  des  Mannes  und  des  Soldaten  nicht  fehlen,
durch  welche  allein  sic  in  den  Stand  gesetzt  werden,  die  gesammelten
ärztlichen  Kenntnisse  für  das  Wohl  des  Heeres  zur  Geltung  zu  bringen‘.

Kurator  der  Akademie  ist  der  Kriegsminister;  die  Direktion  besteht
aus  dem  Generalstabsarzt  der  Armec  als  Direktor  und  einem  Generälarzt
  als  Subdircktor,  der  wissenschaftliche  Senat  hat  zum  Vorsitzenden
den  Direktor  und  besteht  im  übrigen  aus  etatsmäßigen  und  aufßeretatsmäßigren
  Mitgliedern.  Von  wissenschaftlichen  Beamten  ist  noch  ein
Vorstand  der  Sammlungen  sowie  ein  Vorstand  der  sanitätsstatistischen
Abteilung  zu  nennen.  Außerdem  besteht  eine  chemisch-hygienische
Untersuchungsstelle  zum  Unterricht  der  Studierenden  und  zur  Ausführung
  größerer  Aufträge  und  Arbeiten  für  das  Kriegsministeriunn.

Die  Studierenden  hören  die  Vorlesungen  ganz  wie  die  übrigen
Studierenden  der  Medizin*):  die  Plätze  werden  für  sie  bei  den  verschiedenen
  Fachprofessoren  belegt,  die  dafür  cin  bestimmtes  Jahreshonorar
  erhalten.  Am  Beginn  eines  jeden  Semesters  wird  den
Studierenden  der  ihnen  für  das  Seniester  vorgeschriebene  Studienpkin
in  die  Hand  gegeben.  Zur  Unterstützug  der  Universitätsvorlesungen
und  -übungen  erhalten  die  Studierenden  Wiederholungsunterricht
in  Anatomie,  Physiologie,  Physik  und  Chemie,  sowie  in  Chirurgie,
Hygiene,  Geburtshilfe,  den  Krankheiten  der  Augen  und  der  Arzneimittellchre.
  Von  Sammlungen  stehen  ihnen  zur  Verfügung  1.  die
Büchersammlung,  2.  die  physikalische,  3.  die  Arzneimittel-,  4  die

*),  Daß  sie  nicht  bei  der  Universitat  immatrikuliert  werden,  beruht,  wie  die  ‚\ufnahmebestiimmungen
  vom  10.  September  1901  ausdrücklich  hervorheben,  „in  der  Gerichtsbarkeit,
  welche  für  die  in  die  Anstalt  Aufgenommenen  der  Militärbehörde  zusteht,  und  in
der  Unabhängrigkeit  der  Leitung  und  Aufsicht“.  „Die  Hausordnung  bringt,“  wie  es  ebenda
weiter  heißt,  „uber  die  natürliche  Rücksichtnahme  hinaus  keinerlei  Zwang  mit  sich.‘