Die  Königliche  Akademie  zu  Posen.  021

$  13.  jeder  Hörer  erhält  bei  seinem  Abgange  von  der  Akademie  auf  seinen
Antrag  gegen  Zahlung  einer  Gebühr  von  6  Mark  ein  Abgangszeugmis,  in  welches  die
von  ihm  angenommenen  Vorlesungen  einzutragen  sind.

Wer  die  Akademie  vier  Semester  hindurch  besucht  hat,  ist  berechtigt,  sich  der
Diplomprüfung  nach  näherer  Bestnnmung  der  Ordnung  über  diese  Prüfung  zu  unterziehen.

S  14.  Die  Eigenschaft  als  Hörer  geht  verloren  «durch  Ablauf  von  zwei  Jahren  seit
dem  Tage  der  Einschreibung,  wodurch  jedoch  eine  nene  Einschreibung  nicht  ausgeschlossen
wird.  Wer  nicht  binnen  drei  Wochen  nach  Beginn  des  Semesters  mindestens  eine  Vorlesung
  angenommen  hat,  kann  durch  den  Kektor  in  dem  Album  der  Akademie  gestrichen
werden.  Außerdem  kann  die  Fipenschaft  al»  Hörer  wegen  Verstößen  gegen  die  Ordnung
der  Akademie  durch  Beschltß  des  Senates  auf  Antrag  der  Verwaltungskommission
emzogen  werden.

8  15.  Die  Beamten  und  Unterbeamten  werden  auf  Vorschlag  der  Verwaltungskonmmission
  von  dem  Kurator  ernannt;  ihr  nächster  Dienstvorgesetzter  ist  «der  Rektor.

S  16.  Die  Akademie  ist  berechtigt,  durch  einsümmigen  Beschluß  des  Senates  mit
Genehmigung  des  Ministers  Personen,  welche  sich  um  die  Förderung  des  deutschen
Geisteslebens  in  den  Ostmarken  hervorragend  verdient  gemacht  haben,  zu  Ehrenmitgliedern
FU  CTHENNCH.

S  17.  Diese  Satzung  trat  mit  der  Eröffnung  der  Akademie  in  Kraft.

Die  Stellen  des  Rektors  und  Prorektors  werden  für  die  erste  Amtsperiode,  die
nicht  drei,  sondern  nur  zwei  Jahre  dauert,  durch  den  Minister  besetzt.

Wie  schon  aus  diesen  Statuten  hervorgscht,  ist  die  Posener
‚\kademie  eine  ganz  neue,  eigenartige  Erscheinung,  da  sie  die  bisherigen
  Traditionen  des  lochschulunterrichts,  auf  den  künftigen  Beruf
vorzubereiten,  verläßt  und,  ohne  irgendwelche  Berechtigungen  und
Vorteile  zu  verheißen,  nur  der  Verbreitung  wissenschaftlicher  Erkenntnis
und  der  Pflege  des  deutschen  Idealismus  dienen  will.  Die  Zweifel,
die  sich  anfänglich  erhoben,  ob  sich  solche  Bestrebungen  in  einer
Stadt  von  etwa  11700,  nur  zur  kleineren  Hälfte  deutschsprachigenn
Einwohnern,  und  innerhalb  einer  Provinz  von  nur  geringer  Bevölkerungsdichtigrkeit
  überhaupt  verwirklichen  lassen  würden,  wurden  schon  bei
der  Eröffnung  der  Akademie  durch  die  außerordentlich  zahlreiche
Einschreibung  von  Studierenden  zerstreut.  In  dem  ersten  jetzt  abgelaufenen
  Semester  (Winter  1903/04)  wurden  im  ganzen  1148  Zuhörer
immatrikuliert,  sodaß  den  88,  wöchentlich  stattindenden  Vortragsstunden
  eine  stattliche  Zuhörerzahl  gewährleistet  war.  Wie  anderwärts,
so  war  auch  hier  das  größte  Interesse  den  literarisch-ästhetischen
Vorlesungen  zugewandt.  So  wurde  Professor  Kühnemanns  Faustvorlesung
  von  482,  Professor  Schwerings  „Deutsche  Literaturgeschichte
  des  19.  Jahrhunderts“  von  355  Hörern  belegt.  Daß  aber
auch  cin  reges  reinwissenschaftliches  Streben  in  der  Posener  Bevölkerung
vorhanden  ist,  und  daß  man  daselbst  vor  ernster,  geistiger  Arbeit
keineswegs  zurückschreckt,  beweist  der  Umstand,  daß  sich  zur
„Finführung  in  die  Philosophie  durch  die  Behandlung  von  Platos