Die  T.chrerschaft  der  höheren  Schulen.  39

daran  geändert,  daß  die  Gemeinschaft  der  deutschen  Schulmänner
die  deutschen  Berufsgenossen  aus  Österreich  mit  umfaßt.  Nicht  als
Gäste,  sondern  als  Mitglieder  nehmen  die  Österreicher  an  den  Tasungen
  deutscher  Schulmänner  teil.  Ja  die  glänzendste  und  eindrucksvollste
  unter  allen  Philologen  -  Versammlungen  war  die  42.1893
in  Wien.

Zu  besonderen  Vereinigungen  haben  sich  unlängst  die  Neuphilologen,
  die  Historiker  und  die  Vertreter  des  mathematischnaturwissenschaftlichen
  Unterrichts  zusammengeschlossen  und
treten  in  bestimmten  Zwischenräumen  zu  Tagungen  zusanımen.

Auf  allen  diesen  Versammlungen  wechseln  Vorträge  rein  fachwissenschaftlichen
  Inhalts  mit  der  Behandlung  schulwissenschaftlicher
Themen  und  der  Krörterung  von  Fragen  aus  der  Schulpraxis.

Die  vorgedachte  wissenschäftliche  Tätigkeit  des  deutschen  Schulinannes
  gehört  ganz  überwiegend  der  neuzeitlichen  Entwicklung  unseres
Geistes-  und  Gesellschaftsiebens  an.  Daneben  nimmt  die  altüberkommene
  literarische  Pflege  der  Wissenschaft  ihren  ruhigen,
eifrigen  Fortgang.  Wieviel  wissenschaftliche  Arbeit  allein  schon  Jahr
für  Jahr  auf  die  für  den  Unterricht  in  den  höheren  Schulen  bestimmte
literatur  verwandt  wird,  das  lehrt  überzeurend  die  kritische  Übersicht
  in  den  vom  Verfasser  herausgegebenen  „Jahresberichten  über
das  höhere  Schulwesen“.  Aber  auch  an  Beiträgen,  und  darunter
vielen  sehr  wertvollen,  zur  Förderung  der  einzelnen  Fachwissenschäften
aus  der  Feder  von  Schulmännern  ist  nach  wie  vor  kein  Mangrel.

Fs  trifft  nicht  den  höheren  l.ehrerstand,  wenn  aus  seinen  Kreisen
gegenwärtig  nicht  so  viele  bedeutende  wissenschaftliche  Leistungen
hervorgehen  wie  vordem.  Es  hat  das  weit  allgemeinere  Gründe.  Die

Geisteswissenschaften  —  und  zu  ihren  Vertretern  gehört  die
große  Mchrheit  der  Schulmänner  —  haben  in  der  letzten  Zeit  den

Naturwissenschaften  viel  Feld  geben  müssen,  und  die  Technik
hat  ihrerseits  wieder  den  Vorsprung  vor  der  rein  wissenschaftlichen
Naturforschung  gewonnen.  Die  Zeit  der  großen  Philologen  und  Historiker
  liegt  hinter  uns,  und  die  angewandte  Naturwissenschaft  führt  gegsenwärtig
  das  Zepter.  Der  außerordentliche  Aufschwung,  den  die  technischen
  Hochschulen  genommen,  und  die  akademische  Ebenbürtigkeit,
die  sie  sich  mit  den  Universitäten  erkämpft  haben,  let  Zeugmis  vom
Siegeszug  der  Technik  ab.

Die  praktische  Richtung,  die  unsere  Zeit  kennzeichnet,  ist  nun
aber  nicht  nur  durch  die  Wandlungen  in  der  Wissenschaft,  sondern
vornehmlich  durch  die,  von  diesen  wesentlich  mit  verursachten,