Die  Schulziele.  43

Verweltlichung  der  Schulleitung  auch  in  «den  katholischen  Ländern
kam  hier  ebenfalls  diese  Stütze  ins  Wanken.

In  dem  Kampf  um  das  Latein  zeigte  sich  dessen  Position  je
nach  ihrer  Befestigung  durch  den  historischen  Gang  der  Dinge  von
ungleicher  Stärke.  Außerhalb  Deutschlands  tritt  der  Gegensatz  hierin
am  schärfsten  zwischen  den  romanischen  und  den  skandinavischen
Völkern  hervor.

In  Frankreich,  und  ähnlich  in  Italien,  Spanien  usw.,  war  man
bei  der  Einführung  der  unabweisbar  gewordenen  Realkurse  eifrig
bestrebt,  im  Latein  dem  klassischen  Kurs  sein  altes  starkes  Rückgrat
zu  erhalten.  Man  setzte  1840  die  Realklassen  bei  ihrer  ersten
organischen  Anghederung  an  die  Lycces  und  Colleges  auf  die  IV.  Klasse
von  oben  als  dreijährigen  Nebenkurs,  versuchte  cs  dann  1852  mit
einer  Verzweizung  von  eben  dieser  Stufe  an  mit  durchlaufendem
semeinsamen  Stammunterricht,  sing  darauf  aber  1864  zu  einer  völligen
Trennung  des  modernen  vom  klassischen  Kurs  von  der  VI.  bis  zur
I.  Klasse  über.

Nach  den  L.ehrpkinen  von  18%  hatte  sich  das  Latein  in  den
Klassen  VI—I  des  klassischen  Kurses  noch  10,8,5,5,5,  4  Stunden  bei
einer  Gesamtstundenzahl  in  der  Klasse  von  18—20  bewahrt.  Die  1902
erlassenen  neuen  Lehrpläne  unterscheiden  für  die  Klassen  VI—III  einen
klassischen  Kurs  mit  wahlfreiem  Griechisch  und  einen  modernen  lateinlosen
  Kurs.  Für  II  und  I  bestehen  4  Sektionen:  A.  grec-latin,  B.  latinlangues
  vivantes,  C.  latin-sctences,  diese  drei  als  Verzweigungen  des
unteren  klassischen  Kurses,  und  D.  sciences-langues  vivantes  als  Oberstufe
  des  unteren  modernen  Kurses.  Über  diesen  sechs  Klassen  steht
noch  wie  einst  nach  der  Ordnung  der  Jesuiten  als  Oberklasse  die
„Philosophie“,  der  schon  länger  sin  den  „Mathematiques"  eine  jüngere
Parallelklasse  zur  Seite  getreten  ist.  In  eine  von  beiden  nach  Wahl
haben  die  Schüler  aller  vier  Sektionen  Zutritt,  nachdem  sie  den  ersten
Teil  des  baccalaureat  erfolgreich  erledigt  haben.  Das  Bestehen  im
zweiten  Teil  nach  dem  Besuch  der  Oberklasse  gewährt  jeden
bachelier  gleiche  Rechte  ohne  Rücksicht  darauf,  welchen  Kurs  er
vorher  zurückgelegt  hat.  Dem  Latein  sind  bestimmt  von  23  bis
24  Stunden  in  VIZV7ZIWV6  II  6,114  I  für  Scktion  A  5,  für
B3  und  wahlfreı  2,  für  C  3.  Die  „Philosophie“  sicht  2  wahlfreie
lateinstunden  vor.  Ist  die  Zahl  der  Läateinstunden  gegen  I18BW  auch
um  2  verkürzt  worden,  so  gibt  cs  dafür  jetzt  drei  lateinische  Kurse
statt  des  früheren  einen  neben  dem  lateinlosen.  In  der  IT  und  I  ist
man  vom  lateinischen  Aufsatz  nicht  abgegangen.