Die  Schulziele.  47

Stunden  bewältigen,  da  schob  und  drängte  cins  das  andere,  und  das
Ende  waren  unvollkommene_  l.eistungen  in  allen  Teilbereichen  des
I  ateinunterrichts.

Die  Unterrichtsverwaltung  verschloß  sich  dieser  bedrohlichen
Wahrnehmung  auch  nicht  und  gestattete  schon  1895  die  Hinzunahme
  einer  siebenten  Latemstunde  auf  der  Oberstufe.

Gleichzeitig  wurde  dem  Realgymnasiun  für  beide  Primen  und
Sekunden  eine  vierte  Lateinstunde  zugestanden.  lür  die  Realgsymimasien
  bedeutete  cine  Vermehrung  der  Lateinstunden  zugleich
eine  Wiederbelebung  der  Hoffnung  auf  künftige  Gleichberechtigrung
mit  den  Gymnasien.

War  bis  zur  letzten  Schulreform  das  Verhältnis  des  seit  1875
bestehenden  Realschulmänner-Vereins  zu  den  lateinlosen  Schulen
nicht  das  freundlichste  gewesen,  da  diese  von  den  „Humanisten“
gegen  die  Realgymnasien  ausgespielt  wurden,  so  änderte  sich  dies  jetzt.

Hätte  die  von  Direktor  Ilolzmüller  in  der  neuen  „Zeitschrift
für  lateinlose  Schulen“  1889  ausgegangene  Aufforderung  zur  Gründung
eines  Vereins  zur  Beförderung  des  Ilateinlosen  höheren
Schulwesens  noch  sehr  bescheiden  von  den  lateinlosen  Schulen
gesprochen  als  Anstalten,  „die  nicht  nach  Berechtigungen  streben,
die  gern  mit  der  zweiten  Rolle  vorlieb  nehmen  wollen“,  so  erhoben
sich  nunmehr  nach  dem  großen  Erfolg,  den  ihnen  die  Reform  gebracht,
  immer  zahlreichere  Stimmen  nachdrücklich  für  die  Forderung
einer  Gleichberechtigrung  auch  der  Öberrealschulen  mit  den  Gymnasien.


Da  die  Hlumanisten  aber  in  ihrer  großen  Mehrheit  sich  noch
immer  ablehnend  gegen  die  Gleichberechtigung  verhiclten,  so  führte
dies  notwendig  zu  einer  Annäherung  der  beiden  Gruppen  von  V\Vertretern
  der  Realanstalten.

Der  Realschulmänner-Verein  nahm  jetzt,  an  Stelle  des  Kampfes
für  die  eigene  Sache  allein,  die  Forderung  der  Gleichberechtigungr
aller  drei  Arten  der  Vollanstalten  in  sein  Programm  auf.

Der  Verein  für  Schulreform  hatte  1892  seine  auf  die  Herstellung
  einer  emheitlichen  lateimlosen  Unterstufe  von  sechs  Jahreängen
  gerichteten  Wünsche  unmittelbar  auch  nicht  verwirklicht  geschen,
  aber  die  Bahn  zu  seinem  Ziele  war  ihm  doch  freier  genacht,
indem  jede  neue  Realschule  und  jedes  neue  Reformgynmasium  oder
-Realgymnasium  einen  Gewinn  für  seine  Hoffnungen  bedeutete.

Von  dem  Jahrzehnt  vor  1892  unterschied  sich  das  nachfolsende
ganz  wesentlich  darin,  daß  in  jenem  der  Kampf  um  die  Schulreform