Geschichtlicher  Rückblick.  13

Formen  und  Überlieferungen  sich  rasch  herausbildeten,  schwankte  der
Unterricht  in  Mathematik  und  Naturwissenschaften,  wie  begreiflich
genug,  unsicher  zwischen  praktischen,  wissenschaftlichen  und  pädagogischen
  Gesichtspunkten  hin  und  her.  Und  wo  sich  aus  diesem
Wirrwarr  eine  festere  Methode  gewohnheitsmäßig  ausbildete,  da  taugte
sie  meist  nicht  vie.  Man  muß  diese  Verhältnisse  im  Auge  haben,
um  zu  verstehen,  daß  das  Urteil  der  gebildeten  und  namentlich  der
gelehrten  Klassen  gegenüber  der  Realschule  so  lange  Zeit  ungünstig
war  und  es  blieb,  selbst  als  es  längst  zum  unberechtigten  Vorurteil
scworden  war.

Denn  in  beiden  Punkten  ist  in  Laufe  des  letzten  Menschenalters
unzweifelhaft  cin  völliger  Ausgleich  eingetreten.  Was  den  Mangel
fester  Methoden  betrifft,  so  sind  hier  zuerst  unter  dem  Einfluß  einiger
hervorragender  Lehrpersönlichkeiten,  wie  z.  B.  H.  Schellbachs,  später
in  gemeinschaftlicher  Arbeit  der  Fachlehrer  entscheidende  Fortschritte
gemacht  worden.  Und  wenn  die  Methoden  nicht  so  schnell  und  auch
heute  noch  nicht  so  gleichmäßig  feststehende  Gestalt  und  Überlieferung
angenommen  haben,  wie  in  den  alten  Sprachen,  so  sind  doch  gerade
hierdurch  die  realistischen  Fächer  vor  der  Erstarrung  bewahrt  geblieben,
  die  eine  langjährige  Tradition  bestimmter  Verfahrungsweisen
so  leicht  mit  sich’  bringt.  Mehr  aber  noch  als  alle  pädagogischen
Bemühungen  trug  der  gewaltige  Aufschwung  der  Naturwissenschaften
dazu  bei,  den  realistischen  Fächern  einen  Inhalt  zu  geben,  der  sic
ihrer  theoretischen  Bedeutung  und  ihrem  erzicherischen  Werte  nach
unmittelbar  neben  die  alten  Sprachen  rückte.  Denn  immer  deutlicher
ward  es,  wie  das  Streben  und  die  Kraft  der  modernen  Wissenschaft
sich  gerade  dieses  Gebietes  bemächtigt  hatte  und  hier  die  höchsten
Erfolge  errang.  Die  Mathematik  vereinigt  eine  praktische  mit  einer
streng  wissenschaftlichen  Seite,  sie  führt  einerseits  ins  Technische,
andererseits  unmittelbar  ins  wissenschaftliche  Denken  und  Erkennen
hinein.  Ja,  die  Verknüpfung  ist  so  eng,  dafs  es  kaum  möglich  ist,
zu  praktischen  Zwecken  Mathematik  zu  treiben,  ohne  von  ihrem
wissenschaftlichen  Charakter  berührt  uud  beeinflußt  zu  werden.  In
vollem  Umfang  freilich  erreicht  die  Mathematik  diese  Bedeutung  erst
durch  ihre  Verbindung  mit  den  exakten  Natunwissenschaften,  besonders
  der  Mechanik,  denn  erst  hier  treten  die  beiden  Teile  ihres
Wesens  dem  Schüler  in  voller  Deutlichkeit  entgegen:  neben  der  Höhe
und  Allgemeinheit  ihres  Erkenntniswertes  die  durchgängige  Bezichung
zur  Wirklichkeit  und  die  Möglichkeit,  diesen  Erkenntniswert  jeden
Augenblick  ins  Praktische  umzusetzen.  Und  so  hat  sich  denn  auch