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klassischen  Altertums  soll  das  Moderne  und  besonders  das  Nationale
in  den  Mittelpunkt  des  Unterrichts  treten.  Es  fehlt  uns  vor  allem  an
der  nationalen  Basis.  Wir  müssen  als  Grundlage  für  das  Gymnasıum
das  Deutsche  nehmen.  Der  deutsche  Aufsatz  muß  der  Mittelpunkt
sein,  um  den  sich  alles  dreht.“

Es  war  mit  dieser  Wendung  unzweifelhaft  der  richtige  und  naturgemäße
  Weg  bezeichnet,  auf  dem  nicht  nur  jener  Zwiespalt  zwischen
Schule  und  I.eben,  sondern  auch  der  Dualismus  der  realistischen  und
eymnasialen  Bildung  überbrückt  werden  konnte.  Und  die  kaiserlichen
Worte  fanden  vielfach  im  Lande,  zumal  bei  der  jüngeren  Generation,
freudigen  Anklang.  Allein  die  Versammlung  selbst,  an  die  sie  gerichtet
  wurden,  bestand  zum  weitaus  größten  Teil  aus  Anhängern
des  alten  Gymnasiums,  und  diese  waren  ihrer  ganzen  Gesinnung  und
Anschauungssweise  nach  garnicht  imstande,  die  Anschauung  des  Kaisers
unbefangen  zu  würdigen  und  auf  die  neuen  Grundsätze  einzugehen.
Was  bei  der  nun  folgenden  Beratung  herauskam*),  war  eine  Art
Kompromiß,  der  schr  zugunsten  des  Alten  ausfiel.  Der  kaiserlichen
\Willensmeinung  wurde  in  einer  Anzahl  einzelner  Beschlüsse  Rechnung
getragen,  im  ganzen  aber  blieb  die  Versammlung  weit  davon  entfemt,
eine  Umgestaltung  des  Schulwesens  im  Sinne  des  Monarchen  anzubahnen.
Der  konservative  Geist  der  Majorität  trat  besonders  in  den  Beschlüssen
über  das  Berechtigungswesen  zutage.  Das  humanistische  Gymnasium
blieb  nach  wie  vor  die  bevorrechtigte  Anstalt,  die  mit  ganz  unbedeutenden
  Einschränkungen  den  Zugang  zu  allen  höheren  Berufsarten
eröffnete.  Den  Abiturienten  der  lateinlosen  Oberrealschule  wurde  der
Zutritt  zum  Staatsbaufach  wie  zum  Uhniversitätsstudium  der  Mathematik
zugestanden.  Das  Realgymnasium  wünschte  die  Majorität,  hier  im
Einklang  mit  einer  Wendung  der  kaiserlichen  Rede,  ganz  abgeschafft
zu  sehen,  und  der  gemeinsame  Unterbau  für  Gymnasien  und  lateinlose
  Schulen  wurde  gegen  die  Ansichten  der  Regierungsvertreter  abgelchnt.
  Am  meisten  Verständnis  und  Entgegenkommen  bewies  die
Versammlung  für  die  hygienischen  Forderungen,  welche  der  Kaiser
in  Übereinstimmung  mit  der  öffentlichen  Meinung  erhoben  hatte:  Verminderung
  der  Arbeitslast  für  die  Schüler,  im  Zusammenhang  damit
die  stärkere  Betonung  der  körperlichen  Ausbildung.  Unter  den
Fragen,  die  der  Kaiser  persönlich  der  Konferenz  vorlegte,  lautete  die
erste:  „Was  sol  außer  dem  rationeller  zu  erteilenden  Turnen  für  die

*)  Fr.  Paulsen,  selbst  ein  Teilnehmer  der  Konferenz,  aber  cin  entschiedener

Gegner  der  Majorität,  berichtet  kurz  und  objektiv,  aber  scharf  und  treffend  über  den
Verlauf  derselben  in  der  Geschichte  des  Gelehrten  Unterrichts  I,  S91  fi.