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andererseits  den  Wert  der  individuellen  Bildung  gebührend  hervor:
„Bei  aller  strengen  Schulzucht  und  Schuldisziplin  darf  man  eines
nicht  vergessen.  Es  ist  nicht  alles  Individuelle,  was  die  Schüler  mit
in  dic  Schule  bringen,  der  Gesamtzucht  und  dem  guten  Gesamtgeist
  schädlich.  Die  Behandlung  und  Beurteilung  der  Schüler  soll
sich  vielmehr  nach  der  Eigenart  richten,  soweit  sic  berechtigt  erscheint
und  soweit  sie  einen  ergiebigen  Boden  bietet  für  erspricßliche  Früchte
des  Unterrichts,  der  Erzichung  und  guten  Zucht.  Gemeinsame  L.ehrgänge
  und  Lehrziele,  bestimmte  Anforderungen  für  Versetzung  und
Prüfungen,  stramme  Zucht  und  Ordnung  haben  ihren  hohen  Wert,
es  darf  nur  daber  die  Individualität  des  einzelnen,  sobald  sie  der  Entwicklung
  der  Persönlichkeit  von  Nutzen  ist,  nicht  einfach  überrannt
werden  und  gänzlich  zu  Schaden  kommen.  Dic  individuche  Behandlung
  möchte  aber  alles  in  diesem  oder  jenem  Schüler  schlummernde
Gute  zu  wecken  und  zu  nähren  suchen.  Die  Zucht  tritt  vielfach  der
Freiheit  des  Schülers  in  den  Weg;  berücksichtigt  sie  aber  die  Individualität,
  so  ist  es  nicht  bloß  widerstrebendes  Wollen  und  Nichtwollen,
  was  sie  zu  brechen  hat,  sondern  sie  setzt  in  Schüler  positive
Kraft  und  Anlage  voraus  zu  dem,  was  er  werden  soll.  Der  kindliche
Wille  hat  sich  noch  nicht  gefestigt,  er  ist  einer  Menge  von  falschen
Einflüssen  ausgesetzt,  die  von  innen  und  außen  kommen.  Diesen  ist
entgregenzutreten;  aber  trotz  Beschränkung  der  äußeren  Freiheit  ist
die  wahre  Freiheit  über  sich  selbst  zu  retten  und  fest  zu  begründen.
Dabei  darf  die  Zucht  die  entwickelnde  und  unterstützende  Pflege  der
im  Schüler  aufs  Gute  angelegten  Kräfte  niemals  überschen  und  vernachlässigen,
  was  bei  dem  militärischen  Zuge  unserer  Zeit  nur  zu
leicht  geschieht.  Es  gibt  auch  individuelle  Naturrechte  der  Schüler,
die  Achtung  verdienen;  Uniformierung  gehört  in  die  Kaserne,  nicht
in  die  höhere  Schule.“

In  dieser  Beziehung  hat  die  deutsche  Schule  in  den  letzten
Jahrzehnten  erhebliche  Fortschritte  gemacht  und  die  äußeren  Folgen
zeigen  sich  übcrall  auf  das  vorteilhafteste.  Gröbere  Ausschreitungen
der  Schüler  sind  ebenso  selten  geworden,  wie  die  schweren  Schulstrafen,
  welche  die  Überlieferung  Jahrhunderte  lang  festgehalten  hatte.
Prügelstrafen  und  Karzer  sind  von  unseren  höheren  Schulen  fast  ganz
verschwunden.

Zu  diesen  Wandel  in  der  Art  der  Schulzucht  und  im  Ton  des
Verkehrs  hat  zweifellos  nicht  am  wenigsten  die  veränderte  Wertung
beigetragen,  welche  der  körperlichen  Frzichung  zu  teil  wird.  Gerade
in  diesem  Punkte  zeigt  sich  cin  besonders  scharfer  Gegensatz