Die  einzelnen  Unterrichtsfacher.  109

wird  damit  einverstanden  sem,  daß  sie  in  einem  urteilsfähigen  Alter
gelesen  werden.  Und  wer  den  Wert  der  griechischen  Sprache  darin
sicht,  dafs  sie  Einblicke  in  Sprachbildung  und  Sprachgeschichte  gewährt,
  der  wird  sie  erst  recht  in  höhere  Klassen  gerückt  wünschen.“

Fügen  wir  hinzu,  daß  die  Erfahrung,  so  weit  sie  bis  jetzt  zu  cinem
Urteil  berechtigt,  diesen  theoretischen  Erwägungen  recht  gegeben  hat,
und  daß  hierüber  eine  fast  allgemeine  Übereinstimmung  herrscht,  so  ist
die  Vorliebe,  welche  die  preußische  Regierung  seit  einiger  Zeit  für  die
Reformanstalten  an  den  Tag  legt,  durchaus  begreiflich  und  die  Voraussicht
  gerechtfertigt,  daß  wir  in  ihnen  wenigstens  eine,  wenn  nicht
die  Schulform  vor  uns  haben,  welche  in  Zukunft  die  altüberlieferte
Schulgestaltung  ersetzen  wird.

VIERTER  ABSCHNITT.

Die  einzelnen  Unterrichtsfächer.

Wir  wenden  uns  nunmehr  der  Betrachtung  dessen  zu,  was
innerhalb  der  einzelnen  I.chrfächer  auf  den  verschiedenen  Anstalten
erstrebt  und  geleistet  wird.  Um  feste  Ausgangspunkte  für  die  Darstellung
  zu  gewinnen,  habe  ich  an  die  Spitze  eines  jeden  Abschnittes
die  Formulierung  des  L.ehrziels  gesetzt,  welche  die  „Lehrpläne  und
l.ehraufgaben  für  die  höheren  Schulen  in  Preußen“  (Malle  1901  --  im
Text  kurz  als  „Lehrpläne“  angeführt)  für  die  einzelnen  Fächer  vorzeichnen.
  In  den  Ausführungen  sind  dann  die  wesentlicheren  Abweichungen,
  welche  die  L.chrordnungen  und  mithin  auch  die  Praxis  der
übrigen  deutschen  Staaten  aufweisen,  hervorgehoben.”)  Doch  sind  die
Abweichungen  im  allgememen  nicht  sehr  erheblich:  man  darf  sagen,
daß  die  innere  Gestaltung  des  deutschen  Schulwesens  einheitlicher  ist
als  seine  äußere  Organisation.  Ein  ticferer,  obzwar  immer  nur  verhältnismäßig
  tiefgreifender  Unterschied  liegt  fast  nur  in  der  Stellung,
welche  die  süddeutschen  Staaten  den  klassischen  Sprachen  emräumen.
Das  hat  sich  uns  schon  im  der  Betrachtung  der  Lehrpläne  gezeigt  und

*)  Diese  Angaben  stützen  sich  zumeist  auf  die  Darstellung  des  deutschen  Schulwesens
  in  Baumeisters  „Handbuch  der  Erziehung  und  Unterrichtslehre  für
höhere  Schulen“  II,  1  (1892),  doch  haben  mir  eine  Anzahl  von  Behörden  und  Schulmannern
  in  Jeitenden  Stellungen  entgegenkommender  Weise  ergänzendes  Material  zur  Verfizung

  gestellt.