Die  einzelnen  Unterrichtsfächer.  115

allmählich  ein  zusammenhängender  Überblick  gewonnen.  Dagegen
untersagen  die  l.chrpläne  ausdrücklich  und  mit  Recht  die  Behandlung
der  deutschen  Grammatik  wie  die  einer  Fremdsprache,  d.  h.  vor
allem  das  Auswendiglernen  und  Aufsagen  von  Flexionsparadigmen
und  überhaupt  die  Anlehnung  an  den  grammatischen  Schematismus.
An  die  Stelle  dieses  Mißstandes,  der  früher  fast  allgemein  üblich  war,
ist  eine  lebendige  Behandlung  der  lebenden  Sprache  getreten,  die
zuerst  R.  llildebrand  in  seinenn  Buche  „Von  deutschen  Sprachunterricht
  in  der  Schule“  1867  (4.  Auflage  18%)  angebahnt  hat.  Unterstützt
  wird  sic  besonders  durch  die  Lektüre  mittelhochdeutscher
Dichtungen,  die  in  den  I.chrplänen  zwar  nur  gestattet,  aber  doch
fast  allgemein  üblich  geworden  ist.

Für  die  stufenmäßig  geordneten  schriftlichen  Übungen  cerwachsen
  geeignete  Aufgaben  in  erster  Linie  aus  dem  deutschen  Unterrichte
  selbst,  doch  werden  sie  auch  aus  der  fremdsprachlichen  L.cktüre
und  dem  Geschichtsunterricht  entnommen.   Sogenannte  „allgemeine
Themen“,  d.  h.  die  Behandlung  von  Sentenzen  oder  sonst  allgemeinen
Gedanken  sind,  ebenfalls  im  Gegensatz  zum  früher  üblichen,  weni
beliebt,  doch  gestättet  sie  die  I.chrordnung  auf  den  oberen  Stufen,
sofern  sie  sich  an  bestimmte,  in  der  Schule  behandelte  I.chrstoffe  und
Gedankenkreise  anschließen.  Ausgeschlossen  bleiben  weiter  Aufgaben
rein  rhetorischen  Charakters,  wie  sie  früher  als  Stilübungen  allgemein
gebräuchlich  waren.

Anleitung  zur  Behandlung  der  gestellten  Aufgaben  wird  auf
allen  Stufen  erteilt,  aber  so,  dats  die  Schüler  mehr  und  mehr  lernen,
unter  Führung  des  I.chrers  die  Hauptgedanken  und  deren  Ordnung
selbst  zu  finden.  Die  Übung  im  Ausdruck  wird  durch  die  planmäßige
  Pflege  einer  nicht  bloß  richtigen,  sondern  auch  gewandten
Übersetzung  aus  den  fremden  Sprachen  sowie  durch  deutsche  Übungsarbeiten
  auch  in  den  übrigen  l.chrfächern  stetig  und  kräftig  unterstützt.

Ebenso  wird  für  die  Pflege  des  mündlichen  Ausdruckes
nicht  blots  im  Deutschen,  sondern  auch  in  jedem  anderen  Unterrichte
von  unten  auf  Sorge  getragen.  Sinngemäß  betontes  Lesen  und  Vortragen
  der  Schüler  wird  in  allen  Klassen  geübt.  Ein  Kanon  von
Gedichten  zum  Memorieren  und  Aufsagen  wird  für  die  einzelnen
Anstalten  aufgestellt  und  auf  die  Klassen  verteilt.  Auf  der  oberen
Stufe  sind  Übungen  in  frei  gesprochenen  Berichten  über  Gelesenes
oder  Gehörtes  vorzunehmen.  Solche  Berichte  dürfen  nie  in  ein  Aufsieen
  auswendig  gelernter  Aufsätze  ausarten,  sondern  sollen  in  den
Schülern  allmählich  die  Fähigkeit  herausbilden,  festes  Wissen  und

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