118  l.chrpläne  und  l.chrbetrieb,

Anstalten,  mit  Ausnahme  Württembergs,  im  allgemeinen  nicht  mehr,
da  derselbe  erfahrungsmäßig  allzu  oft  zu  äußerlichem  Scheinwissen
geführt  hat.  Er  wird  durch  eine  Lektüre,  die  nach  geschichtlichen
Gesichtspunkten  ausgewählt  und  geordnet  ist,  mehr  als  ersetzt.

Neben  der  Dichtung  wird  auf  allen  Stufen  auch  prosaische
l.ektürc  behandelt.  Auf  den  unteren  Stufen  überwiegt  sie,  auf  den
oberen  pflegt  sie  hinter  der  Pocsie  zurückzutreten.  In  den  beiden
unteren  Klassen  hat  diese  Prosalektüre  gleichzeitig  den  Zweck,  in  die
vaterländische  Geschichte  einzuführen;  es  ıst  hier  wöchentlich  eine
Stunde  für  Erzählungen  aus  diesem  Gebiete  angesetzt  und  die  Schulbücher
  enthalten  stets  eine  Reihe  von  Stücken,  welche  diesen
Gesichtspunkt  dienen  und  die  Hauptgestalten  und  Ereignisse  der
vaterländischen  Geschichte  in  einer  dem  Alter  der  Schüler  entsprechenden
  Form  zur  Darstellung  bringen.  Auf  der  obersten  Stufe
soll  die  Prosalektüre  besonders  dem  philosophischen  Bedürfnis  der
Jugend  entgegenkonmen,  da  cin  propädeutischer  Unterricht  in  der
Philosophie  in  den  meisten  deutschen  Staaten  nicht  existiert  (Ausnahmen
  bilden  nur  Baden  und  Württembergj.  Für  wünschenswert
erklären  allerdings  auch  die  preußischen  l.chrpläne  eine  in  engen
Grenzen  zu  haltende  Behandlung  der  Hauptpunkte  der  l.ogik  und
der  empirischen  Psychologie.

3.  Geschichte.

Allgemeines  Lchrziel.  Nach  Ort  und  Zeit  bestimmte  Kenntnis
dder  epochemachenden  Ereignisse  der  Weltgeschichte,  insbesondere
der  deutschen  und  preußischen  Geschichte,  im  Zusammenhange  ihrer
Ursachen  und  Wirkungen.  Entwicklung  des  geschichtlichen  Sinnes.

Vortrefflich  hat  F.  Neubauer”)  den  Sinn  dieser  Bestimmung  erläutert:
  Der  Unterricht  muß  dem  Schüler  dazu  verhelfen,  sich  ein
solches  Maß  geschichtlicher  Vorstellungen  und  Kenntnisse  anzueignen,
daß  er  auf  die  Kenntnis  der  Vergangenheit  gestützt  sich  in  der
Gegenwart,  an  deren  praktischen  Aufgaben  er  einst  mitarbeiten  soll,
zurecht  zu  finden  vermag.  So  wird  zunächst  ein  natürlicher  Wissenstrieb
  befriedigt;  es  wird  ferner  einem  praktischen  Bedürfnis  genügt.
Es  wird  drittens  dasjenige  hervorgerufen,  was  wir  als  historischen
Sinn  zu  bezeichnen  pflegen:  das  Verständnis  für  den  inneren
Zusammenhang  der  geschichtlichen  Erscheinungen,  die  Fähigkeit,  die

*)  Der  Unterricht  in  der  Geschichte:  in  „Die  Reforin  des  höheren  Schulwesens  in
Preußen"  Seite  227  —240.