Die  einzelnen  Unterrichtsfächer.  119

einzelnen  Tatsachen  in  diesem  Zusammenhange  zu  schen,  und  hieraus
entspringend  „die  Achtung  vor  dem  geschichtlich  Gewordenen,  die
mit  einer  sachlichen  Beurteilung  des.  Überlieferten  wohl  vereinbar  ist,
während  sie  der  rein  rational  denkende  Mensch  nicht  kennt.“

Dem  Ziel,  welches  die  Lehrordnung  dem  Geschichtsunterricht
steckt,  entspricht  die  Anordnung  und  Verteilung  des  Lehrstoffs.  Die
beiden  unteren  Klassen  geben  propädeutisch  zunächst  Lebensbilder
aus  der  vaterländischen  Geschichte,  sodann  Erzählungen  aus  der  Sage
und  der  ältesten  Geschichte  der  Griechen  und  Rönier.  Der  eisentliche
  Kursus  ist  ein  doppelter.  Er  bringt  den  Gesamtstoff  zweimal:
in  der  unteren  Hälfte,  die  von  Quarta  bis  Untersckunda  4  Jahre
umfaßt,  werden  nacheinander  griechische  und  römische  «Quarta),
deutsche  und  preußische  Geschichte  bis  zur  Gegenwart  (Tertia  und
Untersekunda)  in  einer  elementareren  Form  gelehrt.  Es  kommt  dabei
wesentlich  auf  Überlieferung  und  Einprägung  der  wichtigsten  Tatsachen,
  sowie  der  chronologischen  Ordnung  an.  In  ergänzender  und
vertiefender  Weise  bringt  dann  die  Obersekunda  noch  einmal  alte,
Unterprima  deutsche  Geschichte  bis  zum  Ende  des  dreißigjährigen
Krieges  und  die  oberste  Klasse  führt  die  Übersicht  wiederum  bis  zum
Tode  Kaiser  Wilhelms  I.  Hier  treten  denn  die  eigentlich  erzicherischen
Aufgaben  des  Geschichtsunterrichts,  die  wissenschaäftlichen  und  ethischen
Gesichtspunkte,  von  denen  er  geleitet  wird,  in  ihre  Rechte.

Während  nämlich  der  Geschichtsunterricht  in  Deutschland  früher,
wenigstens  auf  der  Oberstufe,  einen  universalhistorischen  und  zu  gleicher
Zeit  kulturgeschichtlichen  Charakter  getragen  hat,  sind  in  den  letzten
Jahrzehnten  einerseits  der  nationale,  andererseits  der  soziale  Gesichtspunkt
  die  herrschenden  geworden.  Die  deutsche  Geschichte  und
daneben  die  der  entsprechenden  Einzelstaaten  steht  im  Mittelpunkt
des  Unterrichts;  was  die  Schüler  von  der  Geschichte  der  übrigen
Völker  zu  erfahren  haben,  gliedert  sich  an  und  ist  beschränkt  auf
diejenigen  Ereignisse  und  Entwicklungen,  welchen  eine  wesentliche,
wenn  auch  nicht  immer  unmittelbare  Bedeutung  für  die  deutsche
Geschichte  beiwohnt.  Die  Zahl  dieser  Ereignisse  nimmt  freilich  im
laufe  der  neuen  und  neuesten  Zeit  immermehr  zu,  und  daher  ist  auf
der  Oberstufe  gleichwohl  eine  verhältnismäßig  umfangreiche  Berücksichtigung:
  wenigstens  der  französischen  und  englischen  Geschichte
scboten.  Allein  eigentlich  gleichgestellt  ist  der  deutschen  Geschichte
nur  die  des  Altertuns,  und  zwar  für  alic  drei  Arten  von  Anstalten,
mit  dem  Unterschiede,  daß  im  humanistischen  Gymnasium  dem
Unterricht  in  der  alten  Geschichte  cine  ergänzende,  in  den  Reul-