126  l.ehrpläne  und  Lehrbetrieb.

geistigen  Ertrage,  den  der  Inhalt  dieser  Schriften  dem  Schüler  zuführt,
  steht  das  gewifs  nicht.  Für  die  oberen  Klassen  lautet  die
amtliche  preußische  Vorschrift  folgendermaßen:

„UI:  Leichtere  Reden  Ciceros  (z.B.  pro  Sex.  Roscio,  in  Catilinam,
  de  imperio  Cn.  Pompei!;  Auswahl  aus  L.ivius’  erster  Dekade
(namentlich  I  und  IM;  Ovid,  an  dessen  Stelle  im  zweiten  Halbjahre
auch  schon  Virgils  Äneide  treten  kann  is.  Ol.  Gelegentlich  unvorbereitetes
  Übersetzen,  auch  aus  Cäsar.

ON:  Auswahl  von  Livius'  dritter  Dekade;  Reden  Ciceros  (z.B.
pro  Archia,  pro  L.iigario,  pro  rege  Deiotaro,  in  Caecilium),  auch  dessen
Cato  maior;  Auswahl  aus  Sallust;  Virgils  Äneide  in  einer  Auswahl,
die  in  sich  abgreschlossene  Bilder  bietet  und  cinen  Durchblick  durch
das  ganze  Werk  ermöglicht.  Gelegentlich  unvorbereitetes  Übersetzen.
‚Auswendiglernen  einzelner  Stellen  aus  Virgil.

U  u.  OT:  Reden  Ciceros  (z.  B.  in  Veerrem  IV  oder  V,  pro  Plancio,  pro
Sestio,  alle  mit  Auslassungen,  pro  Murena),  Auswahl  aus  Ciceros  philosophischen
  und  rhetorischen  Schriften,  auch  aus  seinen  Briefen;
Taeitus’  Germansa  (wenigstens  bis  Kap.  27),  auch  Agricola  oder  Teile
des  Dialogus,  Auswahl  aus  den  Annalen  (besonders  die  auf  Germanien
bezüglichen  Abschnitte)  und  aus  den  Historien;  Auswahl  aus  Horaz,
Auswendiglernen  einzelner  seiner  Oden.“

Erheblich  weiter  ist,  wie  hervorgehoben  zu  werden  verdient,  der
Kreis  der  l.ektüre  auf  den  bayerischen  Gymnasien  gezogen.  Schon
in  der  sechsten  Klasse  (O  IN  erscheinen  hier  neben  Cäsar  und  Ovid
Curtius  und  die  Klegiker,  in  der  achten  Klasse  neben  Cicero  Quintillan,
  und  in  den  obersten  neben  Horaz’  Satiren  und  Episteln  Terenz
und  Plautus.  Auch  in  Sachsen  ist  in  der  OI  die  Lektüre  der  Elegiker
  wenigstens  gestattet,  ebenso  in  I  die  des  Terenz  und  Plautus
sowie  Quintilian.

6.  Griechisch.

Allgemeines  l.chrziel.  Auf  ausreichende  Sprachkenntnisse
scgründete  Bekanntschaft  mit  einigen  nach  Inhalt  und  Form  besonders
  hervorragenden  Literaturwerken  und  dadurch  Kinführung  in  das
Geistes-  und  Kulturleben  des  griechischen  Altertums.

Diese  Literaturwerke  sind  auf  den  preußischen  Gymmasien:
in  Tertia  und  Untersekunda  Nenophons  Anabasis  und  hellenische
Geschichte,  in  Obersekunda  Herodot  -  -  natürlich  alles  in  Auswahl  -  -,
in  Prima  Plato  imeistens  die  Apologie  und  einer  oder  der  ander