1?8  Lchrpläne  und  l.ehrbetrieb.

Schülerarbeiten  cine  entscheidende  Bedeutung  nicht  mehr  beigelegt
werden.  Dieser  Richtung  entspricht  cs  auch,  daß?  dem  induktiven
Verfahren  und  der  gelegentlichen  Einprägung  namentlich  für  die
Syntax  ein  größerer  Raum  gegeben  wird:  in  den  beiden  ersten
Jahren  sollen  syotaktische  Regeln  nur  inn  Anschluß  an  die  T.ektüre
durchgenommen  und  gelehrt  werden,  nur  im  dritten  und  vierten  folst
eine  systematische  Behandlung  der  Tempus-  und  Moduslehre,  in  Untersekunda
  in  zwei  Stunden,  in  Obersekunda  in  einer.  Für  die  beiden
Primanerjahre  werden  nur  Wiederholungen  und  Zusammenfassungen,  je
nach  Bedürfnis,  vorgeschrieben.  Schriftliche  Übersetzungen  finden  aus
dem  Griechischen  und  ins  Griechische  statt;  ste  sollen  hauptsächlich  der
lÜinübung  der  Formen  und  Regeln,  auf  der  Oberstufe  auch  der  Einprägung
  der  l.cktüre  dienen.  Daß  bei  der  letzteren  ausschließlich
der  Inhalt  und  die  Kunstform  der  einzelnen  Werke  in  Betracht  kommt
und  die  grammatischen  Kenntnisse  nur  das  Mittel  zum  Verständnis
bilden,  versteht  sich  hiernach  von  selbst.  Besonders  deutlich  geht  cs
aus  der  Bestimmung  hervor,  daß  bei  der  Durchnahme  größerer
Dichterwerke  zur  Ergänzung  der  in  der  Ursprache  gelesenen  Teile
wsute  Übersetzungen  hinzuzuziehen  sind.  Da  die  sprachliche  Kenntnis
der  Schüler  in  ziemlich  engen  Grenzen  bleibt,  so  ist  ferner  ausdrücklich
  vorgeschrieben,  daß  bei  den  Chorliedern  der  Tragiker,
sowie  bei  schwierigen  Prosastellen,  z.  B.  den  Reden  des  Thukydides,
eine  ausgicbige  Hilfe  des  Lehrers  die  häusliche  Vorbereitung  des
Schülers  ersetzen  soll.  Die  Besonderheiten  des  epischen  Dialckts
werden  durch  Erklärungen  und  gelegentliche  Zusammmenfassungen
der  beim  Lesen  vorkommenden  Formen  eingeprägt.  \on  systematischer
Behandlung  anderer  Mundarten,  namentlich  auch  der  ionischen,  ist
abzusehen.  -  -

Wenn  wir  schon  mit  dem  Lateinischen  in  strittigges  Gebiet  geführt
wurden,  so  treten  wir  mit  den  Griechischen  in  den  Brennpunkt  des
Streites,  der  dem  Bestand  des  humanistischen  Gymnasiums  gilt:  denn
das  Griechische  ist  „der  für  das  Gymnasium  spezifische  Unterrichtsgegenstand“.
  Es  ist  dasjenige  L.chrfach,  das  dem  neuhumanistischen
Gymnasium  seine  Eigenart  und  seine  Ideale  vorzeichnet,  im  Gegensatz
sowohl  zu  der  alten  Lateinschule  wie  zu  den  modernen  Schulformen.
Und  verheklen  können  wir  nicht,  daß  dieser  Bestand  ins  Wanken
kommt.  Zufrieden  ist  niemand  mit  den  heutigen  Ergebnissen  des
Unterrichts.  Die  Modernen  drängen  daher  auf  Abschaffung  des
Griechischen.  Die  Gymnasialpartci  fordert  Rückkehr  zum  Alten  und
Vermehrung  der  Stundenzahl.  Die  Schulbehörde  hat  gleichsam  die