Die  einzelnen  Unterrichwfächer.  131

einige  Geübtheit  im  mündlichen  und  schriftlichen  Gebrauche  der
Sprache.  —  Realgymnasium  und  Oberrealschule:  Gemeinsame
Aufgabe  ıst  Verständnis  der  wichtigeren  französischen  Schriftwerke  der
letzten  drei  Jahrhunderte,  einige  Kenntnis  der  wichtigsten  Abschnitte
der  Literatur-  und  Kulturgeschichte  des  französischen  Volkes,  Übung
im  mündlichen  und  schriftlichen  Gebrauche  der  Sprache.  —  Für  die
Oberrealschule  tritt  hinzu  noch:  Finsicht  in  das  grammatische
System  der  Sprache.

Englisch.  Allgemeines  L.ehrziel.  A.  Für  das  Gymnasium:
Sicherheit  der  Aussprache  und  erste  auf  fester  Aneignung  der  Formen,
der  notwendigsten  syntaktischen  Gesetze  und  eines  ausreichenden  Wortschatzes
  beruhende  Übung  im  mündlichen  und  schriftlichen  Gebrauche
der  Sprache,  sowie  Verständnis  leichterer  Schriftsteller.

B.  Fur  die  Realanstalten.  Realschule:  Sicherheit  der
‚Aussprache,  einige  Übung  im  mündlichen  Gebrauche  der  Sprache,
Kenntnis  der  Formenlehre  sowie  der  wichtigeren  syntaktischen  Gesetze,
Verständnis  leichterer  Schriftwerke.  —  Realgymnasium  und  Oberrcalschule:
  Verständnis  der  wichtigsten  Schriftwerke  seit  Shakespeare
und  Übung  im  mündlichen  und  schriftlichen  Gebrauche  der  Sprache.

Nachdem  die  neueren  Sprachen  lange  Zeit  in  unserem  Unterrichtswesen
  eine  untergcordnete  Stellung  eingenommen  und  zumal
auf  dem  humanistischen  Gymnasium  mehr  geduldet  als  gewürdigt
waren,  hat  das  letzte  Menschenalter  eine  wesentliche  Änderung  ihrer
l.age  gebracht.  Zweierlei  wirkte  zu  diesem  Ergebnis  zusammen.  Einmal
  das  Aufsteigen  der  romanischen  und  englischen  Philologie,  die
Begründung  von  Liehrstühlen  auf  allen  deutschen  Universitäten  seit
1870.  Diese  erst  hat  eine  wissenschaftliche  Ausbildung  von  Lehrern
der  neueren  Sprachen  möglich  gemacht  und  dadurch  auch  auf  den
Schulunterricht  eingewirkt,  seine  Auffassungen  und  Methoden  vertieft.
Mehr  freilich  noch  als  die  Wissenschaft  ist  es  das  L.cben  selbst,  das
hier  eingegriffen  hat.  Der  gewaltige  Aufschwung  des  Verkehrs  hat
das  praktische  Bedürfnis  ins  ungemessene  gesteigert.  Denn  wenn  der
Kulturfortschritt  Europas  sich  niemals  an  natürliche  oder  geschichtliche
  Grenzen  zwischen  den  Völkern  hat  binden  lassen,  so  ist  doch
die  Gemeinsamkeit  der  Kulturinteressen  zu  keiner  Zeit  so  entschieden
und  so  auf  allen  Gebieten  gleichmäßig  hervorgetreten,  wie  in  den
letzten  beiden  Menschenaltern.  Alle  großen  Bewegungen  wissenschaftlicher
  und  künstlerischer,  technischer  und  sozialer  Natur  sind
international  und  haben  das  Leben  in  allen  Kulturstaaten  erfüllt  und
beeinflußt.  Daher  ist  trotz  der  beständig  anwachsenden  Übersetzungsg*

