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Die  einzelnen  Unterrichtsfächer.  133

Nachbarnationen  soll  den  Schülern,  soweit  es  möglich  ıst,  erschlossen
und  veranschaulicht  werden,  und  gerade  hierin  beruht  der  eigenarige
  Wert,  der  dem  Inhalt  dieses  L.chrfachs  zukommt.  Wenn
der  klassische  Unterricht  dem  Schüler  den  Blick  in  das,  was  war,
eröffnet,  so  zeigrt  ihm  der  neusprachliche  das,  was  ist,  und  aus  dem
Zusammenwirken  beider  mit  dem  deutschen  erwächst  ihm  das  Verständnis
  für  den  weltgeschichtlichen  Zusaminenhang  der  Kultur,
durch  den  die  Gegenwart  an  die  Vergangenheit:  geknüpft  ist  und
durch  den  auch  die  Kulturvölker  der  Gegenwart  zu  einer  großen
Gemeinschaft  verbunden  sind.  In  diesem  Sinne  sagt  Fr.  Paulsen  mit
Recht:  „Die  große  Aufssabe  des  neusprachlichen  Unterrichts  ist,  die
Zusammengehörigkeit  der  europäischen  Völker  der  Jugend  zum  Bewußtsein
  zu  bringen.“

Neben  diesen  sachlichen  treten  nun  auch  die  formalen  Ziele
des  Betricbs  der  modernen  Sprachen  selbständig  hervor.  In  den
lateinlosen  Schulen  freilich  muß  das  Französische  auch  die  Einsicht  in
die  systematische  Grammatik  übermitteln.  Allein  zur  Hauptsache
handelt  es  sich  überall  um  etwas  anderes,  etwas,  das  die  granımatische
  Schulung  der  Gymnasien  und  Realgymnasien  nach  einer
schr  wesentlichen  Richtung  ergänzt:  es  handelt  sich  um  das  lebendige
Sicheinfühlen  und  Sicheinleben  in  lebende  Sprachen,  um  das  eigentümlich
  bildende  Moment,  das  in  der  Auffassung  und  Beherrschung
der  mündlichen  Sprache  hiegt.  In  den  früheren  Jahrhunderten,
solange  es  noch  Literatur-  und  Gelehrtensprache  war,  konnte  das
lateın  auch  dieser  Aufgabe  gerecht  werden;  unter  heutigen  Verhältnissen
  ist  das  nicht  mehr  mörrlich,  und  sie  füllt  ganz  und  gar  den
neueren  Sprachen  zu.

Dieser  letztere  Gesichtspunkt  ist  es  daher  wesentlich,  der  die
Methode  des  Unterrichts  bestimmt  und  sie  in  scharfen  Gegensatz  zu
der  der  klassischen  Sprachen  rückt.  Das  Hauptgewicht  fällt  nicht,  wie
dort,  auf  systematische  grammatische  Schulung,  sondern  auf  induktives
Erfassen  des  Sprachgeistes  und  der  Regeln,  in  denen  er  zum  Ausdruck
  konmt:;  es  fällt  weniger  auf  die  schriftliche  als  auf  die  mündliche
  Beherrschung  der  Sprache;  es  fällt  bei  der  Lektüre  nicht  sowohl
auf  die  Übersetzung  als  auf  das  sinngemäße  IL.esen  und  die  freie
Wiedergabe  des  Gelesenen.  Die  Grundsätze,  die  seit  1802  als  endgültig
  festgestellt  zu  betrachten  sind,  faßt  W.  Mangold,  einer  der
besten  Kenner  des  neusprachlichen  Unterrichts,  in  einem  lehrreichen
Kapitel  des  Werkes  über  die  Schulreform  S.  191  ff.  mit  den  Worten
zusammen!  „Lesen  ist  die  Hauptsache,  es  hat  in  den  Geist  und  in