134  lchrpläne  und  L,ehrbetrieb.

die  Denkungsart  des  fremden  Volkes  einzuführen,  von  der  Entwicklung
  seiner  Geschichte  und  Literatur  einen  Begriff  zu  geben  und  zu
vollem  Verständnis  zu  führen.  Sprechen  ist  von  Anfang  an  Mittel
und  Zweck  des  Sprachunterrichts.  Es  hat  sich  an  Lesen  und  Leben
anzuschließen.  Hörübungen  sind  zu  verstärken.  Grammatik  hat
multa  durch  multum  zu  ersetzen.“  Diese  Grundsätze  haben  durch
den  Kaiserlichen  Erlaß  vom  26.  November  IWW,  der  mit  besonderem
Nachdruck  Gewandtheit  im  Sprechen  und  „sicheres  Verständnis  der
gangbaren  Schriftsteller‘  fordert,  eine  bedeutsame  Kräftigung  erfahren.


Den  Anfangsunterricht,  wie  er  sich  nach  der  neuen  Methode  gestaltet,
  schildert  Mangold  folgendermaßen:  „Der  Elementarunterricht
ist,  überall  lIcbensvoller,  interessanter  und  eindringlicher  geworden.  Es
wird  sofort  zur  Verarbeitung  der  Texte  in  Sprechübungen  geschritten.
Das  Buch  wird  oft  geschlossen,  damit  das  Ohr  zur  Aufnahme  und
zum  Verständnis  des  gresprochenen  Wortes  erzogen  wird,  was  besonders
  als  Gegengewicht  gregren  den  mit  Buch  und  Buchstaben  arbeitenden
Unterricht  in  den  alten  Sprachen  von  heilsamem  Finfluß  ist.  So
werden  in  fließender  Aussprache,  im  Sprechen,  im  Lesen,  im  V\Verstehen
  Erfolgre  erzielt,  wie  sie  der  frühere  Unterricht  nicht  kannte.
Der  Schüler  wird  von  Anfang  an  in  die  volle  lebendige  Sprache  eingeführt.
  Die  grammatischen  Erscheinungen  werden  nicht  mehr  synthetisch
  gewonnen,  sondern  aus  dem  L.esestoff  nun  analytisch  auf
induktivem  Wege  entwickelt.  Sind  die  grammatischen  Formen  in
genügender  Anzahl  im  Zusammenhange  des  Textes  eingeprägt,  so
werden  sie  zusammengestellt  und  systematisch  gelernt.  Die  Erfahrung
lehrt  unzweifelhaft,  dat  diese  induktive  Methode  besser  als  die  konstruktive
  zum  Ziele  führt,  und  dat  die  Grammatik  dabei  nicht  zu
kurz  kommt,  sondern  mit  größerer  Sicherheit  haftet.  Der  Unterricht
wird  belebter  schon  dadurch,  daß  der  l.chrer  sich  von  dem  Buche
freimachen,  daß  er  selbst  schaffen  mufs,  um  den  Unterrichtsstoff  in
Bewegung  zu  setzen.  Die  geistbildende  Kraft  des  induktiven  Verfahrens
  beruht  auf  dem  von  Spencer  korrigierten  Satze  Rousscaus:
Man  soll  die  Schüler  so  viel  wie  möglich  selbst  finden  lassen,  was
sic  selbst  finden  können.  Besonders  charakteristisch  ist  im  Gegensatz
  zu  der  l.esebuchmethode,  welche  die  alten  Sprachen  naturgemäß
anwenden,  die  Verwertung  von  Anschauungsmitteln  im  Unterricht,
wie  sie  auch  die  L.chrpläne  empfehlen.  „Die  Erfahrung“,  sagst  Mangrold,
„lehrt,  daß  Bilder  die  Anschauung  mächtig  unterstützen  und  zur  Belebung
  des  Unterrichts  beitragen,  und  so  läßt  sich  auch  annehmen.