Die  einzelnen  Unterrichtsfücher.  135

daß  die  durch  lebendige  Anschauung  aufgenommenen  fremden  Wörter
fester  einseprägt  und  behalten  werden.  Geschickte  lehrer  haben  bald
die  drohende  Monotonie  der  Fragen  überwunden  und  in  vielen  Schulen
hören  wir  Bilder  besprechen  mit  Ausschluß  der  Muttersprache.  Nicht
nur  auf  den  unteren,  sondern  auch  aufden  oberen  Stufen  interessieren
Bilder  die  Schüler.  Am  wirksanısten  sind  Projektionsbilder,  die  mit
dem  Skioptikon  an  die  Wand  geworfen  werden.  \Wie  wundervoll
lassen  sich  an  solchen  Bildern  der  Westminster-Abbey,  des  Towers,
des  Louvre  und  des  Pere-Lachaise  die  lebendigsten  Sprechübungen
anschließen.  Ein  gut  Teil  englischer  und  französischer  Geschichte  lätst
sich  mit  solchen  Bildern  einprägen  ohne  Vermittlung  «der  Muttersprache.“
  Auf  das  Sprechen  selbst  wird  überall  der  größte  Wert  ırelegt.
  Sprechübungen,  heifst  cs  in  den  Lehrplänen,  die  in  einfachster
Form  von  Anfang  an  zu  treiben  sind,  sollen  den  Unterricht  aller
Klassen  durchziehen  und  in  keiner  Stunde  ganz  unterlassen  werden.
Der  Unterricht  selbst  wird  von  Anfang  an  so  vielwie  möglich  in  der
fremden  Sprache  erteilt,  namentlich  auch  die  Lektüre  so  geleitet;  das
Deutsche  bleibt  ausgeschlossen,  natürlich  nur  soweit  das  Verständnis
nicht  darunter  leidet.  Die  Lehrpläne  warnen  mit  Recht  vor  einem  zu
einseitigen  Verfahren.  Doch  gestatten  sie  mit  dieser  Einschränkungr,
daß  an  die  Stelle  der  Übersetzung  zeitweise  eine  Besprechung  des
Textes  in  der  fremden  Sprache  selbst  tritt.

Fin  besonderer  Wert  wird  von  vornherein  auf  die  Aussprache
sclegt  und  mit  Recht  erblickt  man  hierin  ein  bildendes  Moment  auch
für  den  Gebrauch  der  Muttersprache.  Zu  den  am  meisten  umstrittenen
Punkten  gehört  die  Berücksichtigung  der  Phonetik.  Die  Venvendung
ihrer  Ergebnisse  ist  besonders  durch  den  Einfluß  von  Vietor,  einen
der  Hauptanreger  der  Reform,  in  umfassendem  Mate  vorgeschlagen
und  versucht  worden,  scheint  sich  aber  doch  nur  in  beschränkten
Grenzen  bewährt  zu  haben.  Die  Lehrpläne  übergehen  sie  ganz.

Im  übrigen  steht  die  letzte  preußische  I.chrordnung  durchweg
auf  dem  Boden  der  Reform,  doch  vertritt  sie  dieselbe  in  maßvoller
Weise  und  sucht  überall  von  extremer  Kinseitigkeit  zurückzuhalten.
Nur  eins  kann  fraglich  sein:  ob  es  richtig  war,  auch  für  das  humanistische
  Gymnasiun  Geübtheit  im  mündlichen  und  schriftlichen  Gebrauche,
  wenn  auch  immerhin  nur  „einige“,  zu  verlangen,  und  dementsprechend
  die  Methode  hier  in  gleicher  Weise  zu  bestimmen,  wie
für  die  Realanstalten.  Man  hätte  doch  wohl  auch  in  Preußen  besser
retan,  das  Ziel  hier  auf  Richtigkeit  der  Aussprache  und  möglichst
vewandtes  Verständnis  der  I.cktüre  zu  beschränken,  wie  es  die  baye-