136  Lehrpläne  und  Liehrbetrieb.

rische  l.ehrordnung  tut*,;  denn  mehr  ist  auf  den  Anstalten,  wo  französisch
  und  englisch  die  dritte  und  vierte  Sprache  und  fast  in  allen
Klassen  auf  ?2--3  Wochenstunden  beschränkt  sınd,  doch  nicht  zu  erreichen.
  Anders  verhält  es  sich  freilich  auf  den  Reformanstalten.  Wie
die  Altonaer  und  Frankfurter  L.chrpläne  zu  einem  guten  Teil  von  der
neuen  Bedeutung  des  Unterrichts  in  den  modernen  Sprachen  ausgegangen
  sind,  so  haben  sie  hier  ihren  eigentlichen  und  besonderen
Vorzug.  Es  ist  in  der  Tat  ein  Vergnügen  zu  schen,  mit  welcher  Gcwandtheit
  und  verhältnismäßigen  Sicherheit  sich  12—13jährige  Jungen,
Quartaner  und  Tertianer,  in  dem  fremden  Idiom  bewegen,  wie  leicht
und  rasch  sie  verstehen;  und  mag  auch  von  der  Gewandtheit  im
Sprechen  im  Laufe  der  weiteren  Schuljahre,  wo  die  Stundenzahl  beträchtlich
  geringer  wird,  manches  wieder  verloren  gehen:  es  bleibt
doch  die  Sicherheit  des  Verständnisses  und  damit  die  Möglichkeit,
sıch  rasch  und  leicht  das  einmal  Besessene  wieder  anzueignen.

Der  Unterricht  stellt  freilich  in  sachlicher  und  methodischer  Hinsicht
  an  das  Können  des  L.chrers  die  höchsten  Ansprüche,  und  es
wird  daher  seit  dem  Beginn  der  Reformen  von  Fachmännern  wie  Behörden
  für  die  Vor-  und  Weiterbildung  der  Lehrer  entschiedene  Fürsorge
  getragen.  Besonderer  Wert  wird  darauf  gelegt,  daß  der  I.chrer
das  Land,  dessen  Sprache  und  Literatur  er  unterrichtet,  aus  cigener
“Anschauung  kennt.  Ein  halbjähriger  Aufenthalt  im  Auslande  wird
daher  auf  die  Ausbildungszeit  mit  angerechnet:  Reisestipendien  hat
die  Regierung,  wenn  auch  freilich  nur  in  beschränkter  Zahl,  geschaffen.
Ähnlich  sorgen  Ferien-  und  Übungskurse  —  der  erste  von  Otto  Kabisch
  ım  Jahre  1689  in  Berlin  ins  Leben  gerufen  —,  daß  die  im  Auslande
  erworbene  Übung  nicht  wieder  verloren  geht.  So  kann  man
auch  von  dieser  Seite  aus  den  neuen  Sprachunterricht  als  einen  der
lebensvollsten  und  zukunftfreudigsten  Zweige  unseres  I.chrwesens  bezeichnen.


Von  besonderem  Interesse  für  englisch  sprechende  Leser  dürfte
es  sein,  daß  seit  etwa  11/,  Jahrzehnten  sich  eine  deutliche  Verschiebung
innerhalb  der  Stellung  der  beiden  neueren  Sprachen  bemerkbar  macht.
Das  Bedürfnis  nach  Kenntnis  der  englischen  Sprache  ist  so  lebhaft
und  so  allgemein  geworden,  daß  die  französische,  die  bisher  den
ersten  Platz  inne  gehabt  hat,  zurückzutreten  beginnt.  Der  Grund  ist

*%)  „Lehrziel“,  heißt  es  hier,  „ist  die  Fähigkeit,  französische  Schriften  zu  verstehen
une  deutsche  Texte  mit  einiger  Gewandtheit  in  das  Französische  zu  übersetzen;  auch
sind  die  Schuler  an  den  Laut  der  fremden  Sprache  und  an  rasche  Auffassung  des  Gesprochenen

  zu  gewöhnen.“