Die  einzelnen  Unterrichtsfacher.  141

stande  zu  suchen,  daß  die  Anwendungen  der  mathematischen  Theorien
  vielfach  in  künstlich  gemachten  Beispielen  bestehen,  anstatt  sich
auf  die  Verhältnisse  zu  beziehen,  welche  sich  in  der  Wirklichkeit
darbieten.  Daher  muß  das  System  der  Schulmathematik,  unbeschadet
  seiner  vollen  Selbständigkeit  als  Unterrichtsgegenstand,  im
einzelnen  mit  Rücksicht  auf  die  sich  natursemäß  darbietende  Verwendung
  (Physik,  Chemie,  Astronomie,  kaufmännisches  Rechnen)  aufgebaut
  werden.  Die  demgemäß  heranzuziehenden  Beispiele  sollen
die  Schüler  daran  gewöhnen,  in  dem  sinnlich  Wahrnehmbaren  nicht
nur  Qualitatives,  sondern  auch  Quantitatives  zu  beobachten,  in  einem
solchen  Grade,  daß  ihnen  eine  solche  Betrachtungsweise  dauernd
zum  unwillkürlichen  Bedürfnis  wird.“

Die  Lehrpläne  kommen  diesem  Bestreben  entgegen.  Zwar  erkennen
  sie  die  selbständige  Bedeutung,  welche  der  Mathematik  auf  den

höheren  I.chranstalten  zukommt  —  gegenüber  gewissen  extremen
Bestrebungen  —  ausdrücklich  an;  sie  erklären  aber  für  wünschenswert,

  daß  der  Unterricht  die  Anwendbarkeit  der  Mathematik  auf
Gebiete  des  Lebens,  besonders  aber  der  physikalischen  Wissenschaft
aufzeige  und  hierdurch  den  mathematischen  Sinn  der  Schüler  übe.
Sie  raten,  die  Teile  der  Physik,  welche  eine  Verwertung  zu  Aufgaben
zulassen,  auch  nach  dieser  Richtung  noch  mehr  auszunützen  und
Übungen  dieser  Art  nicht  nur  in  den  physikalischen,  sondern  auch
in  den  mathematischen  Stunden  vorzunehmen,  An  dem  Gymnasium
soll  daher,  soweit  irgend  möglich,  der  mathematische  und  der  physikalische
  Unterricht  in  derselben  Hand  liegen:  an  den  Realanstalten
erscheint  das  infolge  der  großen  Stundenzahl  weniger  notwendig.

8.  Naturwi  haften

Allgemeines  Lehrziel.  a)  Für  das  Gymnasium:  Botanik:
Kenntnis  der  wichtigeren  Familien  des  natürlichen  Systems  und  der
Lebenserscheinungen  ihrer  Vertreter,  auch  der  häufigsten  Pflanzenkranklieiten
  und  ihrer  Erreger.  Das  nötigste  aus  der  Morphologie,
‚\natomie  und  Physiologie  der  Pflanzen.

Zoologie:  Kenntnis  der  wichtigsten  Ordnungen  aus  den  Klassen
der  Wirbeltiere  sowie  einzelner  Vertreter  aus  den  übrigen  Klassen  des
Tierreichs..  Kenntnis  vom  Bau  des  menschlichen  Körpers  und  von
den  wichtigsten  Lehren  der  Gesundheitspflege.

Mineralogie:  Kenntnis  der  einfachsten  Kristallformen  und
einzelner  besonders  wichtiger  Mineralien.