152  l.ehrpläne  und  I.chrbetrieb.

bildenden  Gegenstandes  klar  aus  der  Zeichnung  heraustreten.  Auf
freie  und  sichere  Linienführung  wird  besonderer  Wert  gelegt.

Die  künstlerische  Tendenz  des  Liehrplanes,  die  aus  allen  diesen
Forderungen  spricht,  findet  ihren  stärksten  Ausdruck  darin,  daß  verlangt
  wird,  den  Schülern  solle  auch  Gelegenheit  zur  ungezwungenen
Betätigung  ihres  matürlichen  Gestaltungstriebes  vergeben  werden.
Während  es  bisher  oft  vorgekommen  ist,  daß  gerade  die  begabtesten
Schüler  an  dem  Zeichnen  der  Schule  keinen  Gefallen  fanden  und
wenig  leisteten,  ist  es  nunmehr  Aufrabe  des  Unterrichts,  nicht  nur
den  Durchschnitt  möglichst  zu  fördern,  sondern  auch  die  Talente  zu
entdecken  und  ihrer  individuellen  Entwicklung  Freiheit  zu  gewähren.“

12.  Turnen.

Das  Turnen  in  den  Schulen  soll  die  leibliche  Entwicklung  der
Jugend  fördern,  insbesondere  die  Gesundheit  stärken,  den  Körper  an
eine  gute  Haltung  gewöhnen,  seine  Kraft  und  Gewandtheit  vermehren
  und  ihn  zugleich  mit  Fertigkeiten  ausstatten,  die  für  das
Leben,  besonders  für  den  Dienst  ım  vaterländischen  Hecre,  von
Wert  sind.

Gleichzeitig  soll  das  Turnen  den  Charakter  bilden,  indem  cs
Frische  des  Geistes,  Vertrauen  in  die  eissene  Kraft,  Entschlossenheit,
Mut  und  Ausdauer  fördert  und  zu  williger  Unterordnung  unter  die
Zwecke  der  Gemeimschaft  erzicht.

Um  dieses  Ziel  zu  erreichen,  wird  der  Turnunterricht  auf  Grund
eines  bestimmten  L.chrplanes  systematisch  erteilt,  die  Übungen
schreiten  in  stufenmäfßiger  Folge  und  angemessenem  Wechsel  regelmäßig
  fort,  und  die  Schüler  werden  angehalten,  alle  Übungen,  namentlich
  die  grundlegenden,  genau  und  mit  Anspannung  aller  Kräfte  in
möglichst  schöner  Haltung  auszuführen.  Damit  ist  nicht  ausgeschlossen,
  vielmehr  liegt  es  in  der  Natur  der  Sache  selbst,  dafß  das
Turnen  mit  frischem,  fröhlichem  Sinne  betrieben  wird  und  der
Jugend  die  Lust  gewährt,  welche  aus  dem  Gefühl  erhöhter  Kraft  und
Sicherheit  in  der  Beherrschung  des  Körpers  hervorgeht  und  durch
das  Bewußtsein  jugendlicher  Gemeinschaft  zu  edlen  Zwecken  gesteigert
  wird.  Daher  soll  möglichst  im  Freien  geturnt  werden.

In  den  unteren  und  mittleren  Klassen  wird  das  Turnen  in  Form
von  Gemeinübungen  unter  unmittelbarer  Leitung  des  Lehrers  betrieben.
  In  den  oberen  Klassen  ist  cs  gestattet,  die  Schüler  ın
kleineren  Abteilungen  -  -  Ricgen  ssenannt  —  unter  Aufsicht  be-