234  Die  deutschen  Kadettenkorps.

sächsischen  Kadettenkorps  aus  in  die  Armee  ein,  nachdem  sie  vor
der  Königl.  Preußischen  Ober-Militärexaminationskommission  die
Fähnrichprüfung  bestanden  hat.

Die  Anstalt,  früher  in  der  Innenstadt  gelegen,  wurde  im  Jahre
1878  in  cinen  prächtigen  Neubau  verlegt,  der,  mit  seinen  Turn-,
Exerzier-  und  Spielplätzen  dem  Prießnitztale  sich  zuneigend,  einen
Teil  der  großartigen  Militäretablissements  der  Dresdener  Albertstadt
bildet,  die  besonders  durch  das  tatkräftige  Eingreifen  des  Kriegsministers
  Graf  Fabrice  geschaffen  worden  sind  (siche  Militär-Wochenblatt
  1894,  No.  39  und  M.  Dittrich,  Staatsminister  General  Graf
Fabrice.  Sein  Leben  und  sein  Streben.  Dresden  1891).

An  der  Spitze  der  Anstalt  steht  cin  Stabsoffizier  als  Kommandeur,
  der  dem  Kriegsministerium  unmittelbar  unterstellt  ist.  Die
beiden  Kompäagnien  sind  2  Hauptleuten  unterstellt,  denen  für  die
Erziehung  der  Zöglinge  Oberleutnants  oder  l.cutnants  als  Erzieher
beigegeben  sind.

Als  fachmännischer  I.citer  des  Unterrichts  an  der  Anstalt  wirkt
ein  Studiendircktor.  Der  Lehrkörper  besteht  aus  3  Militärlehrern
(zurzeit  1  für  Französisch,  2  für  Mathematik)  und  15  Zivillehrern
13  wissenschaftlichen,  1  Gesang-  und  1  Zeichenlehrer).  Eine  Aufsichtsbehörde,
  wie  sie  in  Preußen  und  Bayern  durch  die  Inspektionen
des  Militärbildungswesens  gegeben  ist,  besteht  für  das  Sächsische
Kadcttenkorps  nicht;  für  die  Prima  hat  die  Königlich  Sächsische
Unterrichtsverwaltung  den  Charakter  einer  Aufsichtsbehörde.

Die  augenblickliche  Zahl  der  Klassen*)  beträgt  13  (1  Quarta,
3  Untertertien,  2  Obertertien,  3  Untersekunden,  3  Obersekunden,  1  Unterprima,
  1  Oberprima;  Teilung  in  Parallelklassen  tritt  grundsätzlich  ein,
sobald  die  Schülerzahl  mehr  als  30  in  einer  Klasse  betragen  würde.
Die  Zahl  der  etatsmäßigen  Stellen  beträgt  226  (darunter  Stellen  mit
erhöhten  Erziehungsbeitrag  von  1500  M.  für  Söhne  von  Ausländern,
sodann  Stellen  zu  800,  450,  300,  180,  90  M.  und  Freistellen).  Die
Einnahmen  an  Erziehungsbeiträgen  betragen  nach  dem  Durchschnitt
der  3  letzten  Jahre  78790  M.  Der  Etat  für  1903—1904  weist  aufan
Ausgaben  für  Besoldungen  120800  M.,  an  anderen  persönlichen
Ausgaben  20778  M.,  an  sachlichen  und  vermischten  Ausgaben
72576+  92734  M.

*)  Eine  früher  mit  der  Anstalt  verbundene  Selckta  ist  im  Jahre  1874  aufgehoben
worden.

Dr.  Ziehen.