340)  Das  Müdchenschulnesen,

nischen  Psalter  anschloß  und  dann  zu  den  übrigen  biblischen  Büchern
überging,  Schreiben!)  ein  wenig  Grammatik  und  weibliche  Arbeiten
die  einzigen  Fächer  waren,  die  in  den  Frauenklöstern  gelehrt  wurden,
hob  sich  die  geistliche  Frauenbildung  im  10.  Jahrhundert  auf  eine
bis  dahin  nicht  erreichte  Höhe.  Es  waren  die  sächsischen  Klöster,
in  denen  sich  dieser  Aufschwung  vollzog;  an  ihre  Spitze  trat  Herford
  und  später  Gandersheim.  Die  berühmte  literarische  Tätigrkeit
der  Hrotsuith  beweist,  welche  Gelehrsamkeit  in  der  Klosterschule
von  Gandersheim  heimisch  war.  Hier  las  man  lateinische  Dichter,
tricb  Dialektik,  Musik,  Arithmetik  und  die  übrigen  Fächer  des  Triviums
  und  Quadriviums.  Aber  auch  in  anderen  Gegenden  des  Reichs
erreichten  die  wissenschaftlichen  Leistungen  der  Frauenklöster  nahezu
die  der  Mönche.  Im  10.  Jahrhundert  hören  wir  von  der  gelehrten
  Hazecha  von  Quedlinburg,  im  12.  Jahrhundert  von
der  heiligen  Hildegard,  deren  Offenbarungen  selbst  Päpste  und
Kaiser  Gehör  schenkten,  und  Herrad  von  L.andsberg,  unter  der  die
Studien  des  Klosters  Odilienberg  blühten.  Ein  ebenso  bemerkenswerter
  Beweis  für  die  tüchtige  wissenschaftliche  Bildung,  die  man  in
Frauenklöstern  gewinnen  konnte,  ist  wohl  auch  darin  zu  schen,  dafs
man  den  sächsischen  Frauenklöstern  im  10.  und  11.  Jahrhundert
Knaben  anvertraute,  die  dort  zum  geistlichen  Stande  erzogen  wurden.
Der  Unterricht  lag  meist  in  den  Händen  der  Nonnen  selbst;  selten
zog  man  die  Mönche  aus  einem  benachbarten  Kloster  dazu  heran.
Die  Zucht  war  nach  den  Bestimmungen  der  erwähnten  institutio
sanctimonialum  außerordentlich  streng;  körperliche  Strafen  waren
durchaus  nicht  ausgeschlossen.

Was  bisher  von  der  Bildung  der  Frauen  im  Kloster  gesagt
worden  ist,  bezieht  sich  nur  auf  die  Nonnen,  d.  h.  diejenigen,  die  ihr
ganzes  J.eben  im  Kloster  verbringen  wollten;  aber  auch  die  Bildung
der  Laientöchter  wurde  mehr  und  mehr  von  den  Klöstern  in  die
Hand  genommen.  Freilich  hatte  Karl  der  Große,  als  er  den  großen
Gedanken  einer  allgemeinen  Laienbildung  allmählich  zu  verwirklichen
bemüht  war,  zunächst  nur  an  die  Knaben  gedacht;  in  dem  Kapitular
von  813  z.  B.,  durch  das  die  unterrichtlichen  Aufgaben  der  Kirche
den  Taien  gegenüber  festgesetzt  wurden,  wurden  ausdrücklich  nur
die  Knaben  zum  Schulbesuch  verpflichtet  unter  der  Voraussetzung,

I)  Daß  es  die  Nonnen  schon  damals  zu  einer  gewissen  Fertigkeit  im  Lesen  und
Schreiben  brachten,  zeigt  das  789  erlassene  Verbot,  ihre  Fertigkeit  zu  gegenseitiger  Mitteilung
  weltlicher  Licbeslieder  zu  benutzen.