Geschichte  des  Mädchenbild  esens  in  Deutschland.  244

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daß  sie  den  Frauen  des  Hauses  die  notwendige  Kenntnis  des  Väaterunsers
  und  des  Glaubens  weiter  vermittelten.!)  Allerdings  verlangte
schon  Karl  der  Große  von  seinen  Töchtern,  daß  sie  die  Hofschule
besuchten,?)  und  es  war  in  den  südwestlichen  Teilen  des  Frankenreichs
  schon  Sitte,  daß  Fürstentöchter,  sei  es  durch  einen  privaten
Lehrer,  sei  es  im  Kloster,  sich  gelehrte  Kenntnisse  aneigneten.3)  Im
frühen  Mittelalter  war  es  den  Klöstern  untersagt,  in  ihre  Schulen
Laien  aufzunelimen,  weil  man  darin  eine  Beeinträchtigung  des  asketiichen
  Zweckes  des  Klosterlebens  sah.?)  Die  Benediktinerklöster
zuerst  erschlossen  sich  den  Töchtern  der  Laien,  und  vom  10.  Jahrhundert
  an  griff  die  Sitte,  die  Töchter  im  Kloster  unterrichten  zu
lassen,  die  sich  bis  dahin  auf  Fürsten  und  Große  beschränkt  hatte,  in
tiefere  Kreise,  zunächst  des  Adels,  hinab.  Der  Unterricht  solcher
Mädchen  fand  gewöhnlich  getrennt  von  dem  der  eigentlichen  Novizen
in  einer  äußeren  Schule  statt,  und  die  Ziele  waren  ihm  naturgemäß
niedrigrer  gestellt  als  in  der  inneren  Schule.  Die  äußere  Schule  der
Frauenklöster  nalım  Mädchen  vom  7.  Jahre  an  auf;  der  Unterricht
erstreckte  sich  auf  Lesen,  Schreiben  und  weibliche  Arbeiten;  der
Lesestoff  war  der  Psalter,  das  gewöhnliche  und  allgemein  benutzte
‚\ndachtsbuch  der  Frau  im  Mittelalter);  Für  diese  Unterweisung
leisteten  die  Eltern  der  Klosterschülerinnen  einen  Entgelt  in  Stiftungen,
  Fischereirechten  und  ähnlichen  Abgaben;  es  versteht  sich
von  selbst,  dafs  nur  Begüterten  diese  Art  der  Klostererziehung  zugänglich
  war..

Dats  aber  auch  unter  den  Frauen  des  Volkes  eine  gewisse
Elementarbildung  verbreitet  war,  geht  aus  mancherlei  Zeugnissen
hervor.  Die  Kenntnis  des  Glaubens  und  des  Vaterunsers  verlangte
die  Kirche;  aber  auch  die  Fähigkeit  zu  lesen  scheint  bei  den  Frauen
des  Volkes  etwas  nicht  ganz  Unerhörtes  gewesen  zu  sein.

Während  die  Klostererzichung  bei  den  Grundsätzen  blieb,  die
ihr  seit  dem  9.  Jahrhundert  maßgebend  gewesen  waren,  ja  während

I)  Cap.  von  813;  vgl.  K.  A.  Schmid:  Geschichte  der  Erziehung.  II.  1.  8.  159,

2)  Einhardi  Vita  Car.  M.  c.  19,

3)  Karls  des  Kahlen  Gemahlin  Irmindrud  wird  von  Zeitgenossen  ihrer  Gelehrsamkeit
  wegen  verherrlicht;  Dhuoda  von  Septimanien  «chrieb  selbst  für  ihren  Sohn  eine
Art  Furstenspiezel.

%)  Cap.  von  803.  Patrologia  latina  cd.  Migne  97,  ».276.  —  S.  Caesarıi  Regula  ad
Virgmes,  Migne  67,  p.  1108.

5)  Weinhold:  Die  deutschen  Frauen  in  dem  Mittelalter.  III.  Aufl.  Wien  1897.
Bd.t,  Ss.  MON.  —  Specht:  Geschichte  des  Unterrichtswesens  in  Deutschland  von  den
ältesten  Zeiten  bis  zur  Mitte  des  13.  Jahrhunderts.  Stuttgart  1885.  S.  278.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  11.  16