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Geschichte  des  Mädch

in  Deutschland.  IS

die  in  diesen  letzten  Worten  ausgesprochen  ist,  sollte  den  Mädchen
in  gleichem  Maße  zu  gute  kommen,  wie  den  Knaben.  Ludwig  von
Seckendorff  hat  in  seinem  staatswissenschaftlich  bedeutsamen  Buche
vom  Christenstaat!)  der  Erziehung  des  weiblichen  Geschlechtes  ein
besonderes,  eingehendes  Kapitel  gewidmet.  Er  hat  es  für  eine  große
und  unverantwortliche  Nachlässigkeit  erklärt,  daß  so  wenig  Sorge  dafür
  getragen  werde  und  daß  cs  in  den  Mädchenschulen  meist  nur
„bei  dem  alleruntersten  Grade  der  Katechisation  bleibe“,  während
die  Fähigkeiten  der  Frau  doch  gerade  so  gut  einen  sorgfältigen  Unterricht
  rechtfertigten  wie  die  des  Mannes.  Auch  macht  er  darauf  aufmerksam,
  daß  die  Jungfrauenklöster  ihr  Gutes  gehabt  hätten  und  daß
in  protestantischen  Ländern  für  ihre  Erzichungsarbeit  kein  Ersatz
gefunden  wäre;  er  empfindet  die  Lücke,  die  das  Unterrichtswesen
  besonders  hinsichtlich  der  Bedürfnisse  der  Frau  höheren  Standes
gelassen  hat.  Die  sozialen  Verhältnisse  der  Zeit  schienen  ihm  die
Notwendigkeit  nahe  zu  legen,  für  eine  .gute  Erziehung  der  Töchter
des  Adels  und  höheren  Bürgerstandes  zu  sorgen,  da  „bei  Vermehrung
der  Familien  und  Abnehmung  der  Mittel  durch  Unterlassung  guter
Erziehung  und  Versorgung  so  gar  schimpfliche  und  ärgerliche  Exenpel
übel  geratener  Töchter  häufig  entstehen“.  Mit  Hilfe  des  Herzogs  hat
Seckendorff  versucht,  ein  Stift  für  unversorgte  adligre  Frauen  zu  crrichten,
  das  mit  einer  Mädchenerziehungsanstalt  verbunden  werden
sollte;  die  Pläne  dazu  waren  fertig?),  aber  die  Gründung  ist,  wie  es
scheint,  an  dem  Mangel  an  materiellen  Mitteln  gescheitert.  Der  Plan
selbst  aber  ist  ein  Zeichen  dafür,  daß  mehr  und  mehr  das  Bedürfnis
nach  Unterrichtsgelegenheiten  für  die  Töchter  höherer  Stände  erwacht
war.  Und  das  führt  uns  hinüber  zur  Entstehung  der  höheren  Mädchenschulen.


3  Die  Anfänge  der  höheren  Mädchenschule  in  Deutschland.

Es  ıst  der  Ruhm  der  katholischen  Frauenklöster,  daß  sie,  anknüpfend
  an  Jahrhunderte  alte  Traditionen,  in  einer  Zeit,  da  es  sonst
an  Erziehungsstätten  für  die  Töchter  höherer  Stände  fehlte,  ihre  alte
Aufgabe  mit  neuer  Energie  in  Angriff  nahmen.  Die  Gegenreformation
hatte  eine  Reihe  weiblicher  Orden  geschaffen,  die  neben  den  drei
Gelübden  noch  ein  viertes  leisteten,  daß  sie  mit  allen  ihren  Kräften

I)  Herm  Veit  Ludwigs  von  Seckendorff  Christen-Stat.  l.eipzig  169.  S.  601  f.:
Von  besserer  Erziehung  des  weiblichen  Geschlechts  und  denen  Jungfruu-Schulen,  die  bei
der  Reformation  intendirt  aber  unterlassen  worden.

2)  Sie  sind  veröflentlicht  in  den  Mitt.  d.  Ges.  f.  d.  Erz.  u.  Schulgesch.  III,  5.  176  fi.