359  Das  Mädchenschulwesen.

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der  Jugenderziehung  dienen  wollten.!)  Die  wichtigsten  unter  ihnen
sind  die  Ursulinerinnen,  die  Englischen  Fräulein  und  etwa  noch  die
Salesianerinnen  in  Bayern.  Die  Ursulinerinnen  gründeten  16839  ihre
erste  Niederlassung  in  Deutschland  und  zwar  in  Cöln,  von  dort  verbreiteten
  sie  sich  schnell;  wir  finden  ihre  Erziehungsanstalten  1651  in
Aachen,  1660  in  Kitzingen,  1667  in  Erfurt,  1685  in  Düsseldorf  und
Düren,  1691  in  Straubing,  1695  in  Freiburg  usw.  Dis  eigentliche
Gebiet  ihrer  Tätigkeit  ist  der  höhere  Mädchenunterricht;  das
Ursulinerinnenkloster  in  Cöln  unterrichtete  vornehme  Mädchen  im
Internat  und  Bürgertöchter  in  einer  äußeren  Schule  in  den  Elementarfächern,
  in  Handarbeiten,  im  Französischen  und  Latein.  Ähnlich
wirkten  in  Süddeutschland  die  Englischen  Fräulein.  Schon  zu  Anfang
des  17.  Jahrhunderts  gründeten  sie  ihre  erste  Schule  auf  deutschem
Boden.  Die  Salesianerinnen  wurden  in  der  zweiten  Hälfte  des
17.  Jahrhunderts  von  der  fronnmen  Kurfürstin  Henriette  Adelheid  von
Bayern  nach  München  greerufen,  um  die  bayerischen  T.andestöchter
in  „Wissenschaft  und  Gottesfurcht“  zu  unterweisen.  Die  Klöster
stellten  in  dieser  Zeit,  wo  von  öffentlichen  Behörden  und  von  privater
Seite  für  die  höhere  Bildung  der  Mädchen  so  wenig  geschah,  nahezu
die  einzige  Bildungsgelegenheit  über  die  Volksschule  hinaus  dar  und
werden  auch  von  protestantischer  Seite  immer  wieder  gerühmt.

Die  Entwicklung  der  sozialen  Verhältnisse  in  Deutschland  machte
dann  Vorkehrungen  für  cine  höhere  Frauenbildung  aber  mehr  und
mehr  zu  einer  allgemein  empfundenen  Notwendigkeit.  Durch  die
Umgestaltung  der  staatlichen  Organisation  war  ein  neuer  Stand  innerhalb
  der  höheren  Gesellschaftskreise  geschaffen  worden,  die  Beamten,
die  sich  durch  eine  eigenartige  gesellschaftliche  Bildung  auch  sreistig
von  der  Masse  des  übrigen  Volkes  abzuheben  begannen.  Freilich  ist
diese  Kultur,  deren  Formen  Frankreich  lieh,  etwas  rein  Äußerliches,
Unvolkstümliches  und  darum  Wurzelloses.  Es  ist  eine  Standeskultur,
die  mehr  dem  äußeren  Gkanz,  als  dem  geistigen  und  sittlichen  Gewinn
diente,  und  ces  ist  sicherlich  zu  bedauern,  daß  die  ersten  Anfinge
einer  höheren  Frauenbildung  nicht  einem  tieferen  als  diesem  rein
äußerlich  gesellschaftlichen  Bedürfnis  Rechnung  trugen.  Der  Hofmeister
  und  die  französische  Demoiselle  beginnen  im  deutschen  Hause
ihren  Einzug  zu  halten,  und  die  französische  Sitte,  die  Kindererziehunz

I)  Professor  Dr.  Max  Heimbucher  gibt  in  Bd.  VII  der  Mitt.  d.  d.  Ges.  f.  Erz.
u.  Schulgesch.  einen  statistisch  -chronologischen  Überblick  über  die  in  Deutschland
wirkenden  katholischen  Frauengenossenschaften.  In  demselben  Band  sind  auch  noch
einige  Monographieen  über  einzelne  F’rauenorden  zu  finden,